Der Tod und das Mädchen

Cottbus, Gounod: Roméo et Juliette

Opernwelt - Logo

Der Anfang kündet schon vom Ende. Noch während der Ouvertüre zu «Roméo et Juliette» (von Evan Christ und dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus in üppigen, regenwolkenschweren Klangfarben auf die imaginäre Leinwand gepinselt) hebt sich der Vorhang und gibt  den Blick frei auf eine Beerdigungsszene. Die Familiengruft der Capulets. Es tritt hinein eine schwarz gewandete Trauergemeinde mit Regenschirmen (obwohl es gar nicht regnet).

In ihrer Mitte ein Trio fatale: der schwer schwankende Vater Capulet, blutleer sein vormals designierter Schwiegersohn, Graf Páris, tränenüberströmt Juliettes Amme Gertrude. In den Händen halten sie weiße Lilien: Blumen des Todes. Die Musik erzählt davon. Sie nimmt das Drama vorweg, allein die Bläserfanfaren sind von einer Wucht, die jeden niederschmettert. Dazu  d-moll.  Es ist die Tonart des Todes schon in Mozarts «Don Giovanni».
Allein der musikalischen Faktur wegen ist dieses Bild triftig. Zugleich präpariert es die Stimmung der folgenden drei Stunden, weist uns auf die eingeschlagene Richtung. Denn mögen auch einige Farbtupfer in die von (natürlich schwarzen) Säulen gesäumte Familiengruft (Ausstattung: Gundula Martin) hineinfallen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Man ist selbst die Stimme»

Frau Gens, glauben Sie wie ich, dass Frauen die Launen des Schicksals besser aushalten können, weil sie stärker sind als Männer?
Ich weiß nicht, ob sie stärker sind. Aber es ist richtig, dass die Zahl der Frauen, die tragische Dinge erleben, die verzweifelt sind, von ihren Ehemännern oder Geliebten verlassen werden oder sogar sterben, sehr groß ist. Und es ist...

Rolf Julius

Er zählte zu den Begründern und prominentesten Vertretern der europäischen Klangkunst. Seine Installationen und live-elektronischen Musik-Performances wurden weltweit präsentiert. Seit 1995 hatte Julius eine Gastprofessur an der Hochschule der Künste in Bremen inne, 2005 wurde er mit dem Hannah-Höch-Preis ausgezeichnet.

Exotik des Bösen

Johann Christian Bach, der 1735 geborene jüngste Sohn des Leipziger Thomaskantors, ist aus der Art geschlagen. Nach dem Tod seines Vaters ging er nach Italien, trat dort zum Katholizismus über, wurde Domorganist in Mailand, schrieb 1760 seine erste Oper und übersiedelte 1762 als freischaffender Komponist nach London, wo er 1782 starb. Er war ein unruhiger Geist...