Liebestod à la Francaise

Godard: Dante am Staatstheater Braunschweig

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Benjamin Godard war zu seiner Zeit und auch danach ein allenfalls mäßig bekannter Komponist von Bühnenwerken, lediglich das Wiegenlied aus «Jocelyn» ist bis heute präsent. Im Hauptberuf unterrichtete Godard die Kammermusikklasse am Pariser Conservatoire – ein dringend benötigter Brotberuf, denn auch sein am 13. Mai 1890 an der Opéra-Comique uraufgeführtes Musiktheater «Dante» fiel sogleich der Vergessenheit anheim.

Auf der Suche nach einem Werk, das anlässlich des Dante-Jahres 2021 die Person des Dichters selbst ins Zentrum stellen könnte, stieß man am Staatstheater Braunschweig auf dieses Rarissimum. Mit pandemiebedingter Verzögerung erlebte es dortselbst nun seine Wiederentdeckung. 

Der Vierakter verquickt das Scheitern der politischen Ambitionen des Dichters in seiner Heimatstadt Florenz und das anschließende Exil mit der nah-fernen Liebe zur schönen Béatrice. Erst nachdem der Poet Himmel und Hölle der «Göttlichen Komödie» durchwandert hat, darf er die Auserwählte wiedersehen. Doch der Trennungsschmerz hat ihre Lebenskräfte aufgezehrt. Édouard Blaus Libretto zielt – gerahmt von einer stringent gebauten Intrigenhandlung – zunächst auf die übliche Mixtur aus Politischem und ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Michael Kaminski

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