Frauen vor Trümmerlandschaft
Der Epilog bildet den Anfang. «Die Zeit wird kommen», singen die drei Schwestern, «für uns beginnt ein neues Leben». Sie singen es in die Leere einer fiktiven Zukunft – und an diesem Abend mit drei hohen Männerstimmen, die sich so schön, selbstversunken und melancholisch ineinander ranken, als hätte Peter Eötvös das Frauen-Terzett aus dem «Rosenkavalier» einfach für Countertenöre weitergedacht.
Als seine Oper «Drei Schwestern» 1998 in Lyon uraufgeführt wurde, war diese ein Stück der postmodernen Stunde. Eötvös dekonstruierte Tschechow, ohne ihn zu verraten.
Statt der linearen Abfolge des Schauspiels entwickelte er drei Sequenzen, die das Geschehen aus den verschiedenen Perspektiven der drei Hauptfiguren verfolgen. Dieser dreifache Rückblick bot Raum für Musik und die Chance, mit der Zeit zu spielen, sie zu dehnen, zu raffen, zu verdichten. Wie oft, wenn ein Sprechstück fürs Musiktheater umgeformt wird, ist es auch hier existenziell geschärft, überhöht, in zeitlose Konfliktzonen gehoben.
Die Idee, die Schwestern von Countertenören singen zu lassen, hat hier ihren Ursprung. In seinem Stück, so Eötvös, seien sie «weder Frauen noch Männer», sondern ein «abstraktes Bild des zeitlosen ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Stephan Mösch
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