Der Schnitter Tod
«Lasciate ogni speranza» empfahl schon Dante, vom «River of no return» sang die Monroe. Und auch Günther Groissböck reitet über weite Strecken dieses Albums das fahle Ross des Todes. Das von Mahler vertonte Wunderhorn-Lied «Nicht wiedersehen!» dient ihm dabei als Motto; auf dem Cover blickt der Bass stirnrunzelnd am Betrachter vorbei, als wäre er selbst der Fleisch gewordene Imperativ des Titels.
Ein Statement hinsichtlich von Ewigkeitsfragen? Und zugleich das Erschrecken des kreativen Menschen über die (durch das Ausrufezeichen markierte) vermeintliche Endgültigkeit?
Die materialistischen Naturwissenschaften beharren ja darauf, dass alle Spekulationen auf ein den körperlichen Exitus überdauerndes Bewusstsein vergebens und selbst schöpferische Großtaten wie Shakespeares Königsdramen, Bachs Passionen, Beethovens Symphonien oder die großen Sakralbauten das Ergebnis zufälliger Gehirnströme seien. Schnitter Tod: Auch eine als Volksmund definierte Trivialdichtung scheint sich schon immer damit abgefunden zu haben. «Du hörst kein Glöcklein läuten, du hörst kein Vöglein pfeifen, du siehst weder Sonne noch Mond! Ade, mein herzallerliebster Schatz! Ade!» verabschiedet im erwähnten ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Gerhard Persché
Diese Oper war sein Schmerzenskind. Düster war dieses Kind, «weil es düster sein muss» (so der Schöpfer am 2. Februar 1881 an den Lebensfreund Opprandino Arrivabene), durchtränkt von einer zutiefst pessimistischen Menschensicht und versehen mit einem aus drei Tintenfässern stammenden Libretto, das Eduard Hanslick anlässlich der Wiener Erstaufführung ein Jahr nach...
Der Rosenkavalier» – ein Wagnis? Für Luzern schon. Das Haus verfügt über rund 500 Sitzplätze im Parkett und auf zwei Rängen; weder von der Raumakustik noch von den Dimensionen des Orchestergrabens her ist die Möglichkeit gegeben, die orchestral großbesetzte «Komödie für Musik» aus dem Jahre 1911 in einer vernünftigen Weise zur Aufführung zu bringen. Oder stimmt das...
Am Staatstheater Cottbus ist Stephan Märki nicht nur als Regisseur von Wagners «Tristan und Isolde» angetreten, sondern macht als Intendant aus der Premiere zudem ein Event. Im Graben setzt GMD Alexander Merzyn mit dem Philharmonischen Orchester weniger auf einen suggestiven Klangrausch als vielmehr auf den vitalen Kern, der letztlich hinter jeder Wagner’schen...
