Im Jenseits
Am Staatstheater Cottbus ist Stephan Märki nicht nur als Regisseur von Wagners «Tristan und Isolde» angetreten, sondern macht als Intendant aus der Premiere zudem ein Event. Im Graben setzt GMD Alexander Merzyn mit dem Philharmonischen Orchester weniger auf einen suggestiven Klangrausch als vielmehr auf den vitalen Kern, der letztlich hinter jeder Wagner’schen Klangzauberei steckt. Problematisch ist das allein deswegen, weil die akustischen Möglichkeiten des Hauses begrenzt sind. Und damit enden die Sorgen nicht: Zwei enorme Energieströme müssen sich den Raum teilen.
Denn was auf der Bühne an vokalen Schwergewichten aufgeboten wird, sucht in Häusern vergleichbarer Größe seinesgleichen.
Es ist schon ein Coup, wenn Catherine Foster für die Isolde nach Cottbus kommt. Sie singt diese Rolle derzeit auch bei den Bayreuther Festspielen, hat Märki aber vermutlich nicht vergessen, dass sie unter seiner Intendanz in Weimar vor über 15 Jahren als Freia starten und als Brünnhilde durchs Ziel gehen durfte – wobei sich das im Nachhinein als glänzende Vorbereitung für ihre grandiose Brünnhilde in der Bayreuther «Ring»-Arbeit von Frank Castorf erwies. Dass ihre Stimme mühelos das Cottbusser Haus ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Joachim Lange
Der 5. März 1953 ist in die Geschichtsbücher als jener Tag eingegangen, an dem zwei Menschen das Zeitliche segneten, deren Wirken zwar eng miteinander verknüpft war, von denen aber der eine so prominent war, dass man das Dahinscheiden das anderen darüber beinahe vergaß. Mit Josef Wissarionowitsch Stalin starb einer der übelsten Diktatoren des 20. Jahrhunderts, mit...
Das Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz hat sich mit Ausgrabungen einen Namen gemacht. Jetzt setzt Intendant Moritz Gogg noch eine Operetten-Uraufführung obendrauf. Daniel Behle und das erzgebirgische Theater treten feuchtfröhlich gegen das verbreitete Klischee an, die Operette sei tot, weil nichts Neues mehr komme.
Behle ist ein erstklassiger Tenor...
Roms Glaube ohne Worte!» wollte Friedrich Nietzsche in Richard Wagners «Parsifal» gehört haben, nachdem er vom Verehrer zum Intimfeind des Bayreuther Meisters mutiert war und auf dessen kunstreligiöse Anwandlungen nebst Keuschheitsethik nur mehr mit Bissigkeit antworten konnte. Um die böse Sentenz des Philosophen bloß nicht zu bestätigen, tilgt Michael Thalheimer...
