Der Liebe Macht

Händels Opern haben Konjunktur: In Frankfurt spielt Johannes Erath virtuos mit der Wirklichkeit, in Schwetzingen zeigt Lucía Astigarraga menschliche Abgründe. Die Hallenser Festspiele verknüpfen Händels «Nero» mit Keisers «Octavia»

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Draußen vor der Tür glüht das Pflaster, drinnen im Saal das Verlangen. Doch vergeblich. Zernichtet ist die Zauberin, ein mächtiger Donnerschlag hat das Ende ihrer Herrschaft in der Oper Frankfurt eingeleitet. Göttlicher Wille? Womöglich. Jedenfalls (und sehr buchstäblich) ein Einschnitt, eine Peripetie. Aufgerissen die Wände ihres Reichs, aufgerissen ihre Seele.

Und so liegt sie, im seidenschwarzen Nachtkleid, dort am Boden ihres Luftund Luftschlosses, das Kaspar Glarner für sie gebaut hat, umgeben von den wilden Tieren (die hier aber lauter gesichtslose Männer in weißer Unterwäsche sind) und beklagt ihr Schicksal: «Ah, mio cor!» Händel hat der traurigen Titelfigur seiner 1735 in die Welt gelangten Oper «Alcina» dafür ein Andante larghetto komponiert, das schmerzlichschöner, bittersüßer kaum sein könnte. Dicke c-Moll-Tränen tropfen in schleppenden Streicher-Achteln ihre Wangen herab zu Boden, und eigentlich weiß die Arme gar nicht, wie ihr geschieht. Immer wieder haucht Monika Buczkowska-Ward das eine Wörtchen «Perché?» ins Dunkel, doch nichts und niemand ist da, der ihr diese eine Frage beantworten könnte. Alcina, allein zu Haus. Im Mittelteil der Arie, einem Allegro in der ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten und Regine Müller

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