Der Liebe Macht
Draußen vor der Tür glüht das Pflaster, drinnen im Saal das Verlangen. Doch vergeblich. Zernichtet ist die Zauberin, ein mächtiger Donnerschlag hat das Ende ihrer Herrschaft in der Oper Frankfurt eingeleitet. Göttlicher Wille? Womöglich. Jedenfalls (und sehr buchstäblich) ein Einschnitt, eine Peripetie. Aufgerissen die Wände ihres Reichs, aufgerissen ihre Seele.
Und so liegt sie, im seidenschwarzen Nachtkleid, dort am Boden ihres Luftund Luftschlosses, das Kaspar Glarner für sie gebaut hat, umgeben von den wilden Tieren (die hier aber lauter gesichtslose Männer in weißer Unterwäsche sind) und beklagt ihr Schicksal: «Ah, mio cor!» Händel hat der traurigen Titelfigur seiner 1735 in die Welt gelangten Oper «Alcina» dafür ein Andante larghetto komponiert, das schmerzlichschöner, bittersüßer kaum sein könnte. Dicke c-Moll-Tränen tropfen in schleppenden Streicher-Achteln ihre Wangen herab zu Boden, und eigentlich weiß die Arme gar nicht, wie ihr geschieht. Immer wieder haucht Monika Buczkowska-Ward das eine Wörtchen «Perché?» ins Dunkel, doch nichts und niemand ist da, der ihr diese eine Frage beantworten könnte. Alcina, allein zu Haus. Im Mittelteil der Arie, einem Allegro in der ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten und Regine Müller
Eine Wagner-Oper um vier Uhr nachmittags – da kommen Festspiel-Gefühle auf! Die Sonne brennt, das Satteldach des Bühnenhauses von Neustrelitz grüßt über die Wiesen und Wipfel wie jenes in Bayreuth über Kleingartenanlagen und Maisfelder. Das Theater in der mecklenburgischen Residenzstadt liegt sogar auf einer Erhebung, die wir ruhig mal einen Hügel nennen. Nebenan...
Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.
Die Genesis lässt es offen, aber...
GARSINGTON FESTIVAL L’elisir d’amore, Pique Dame, Rodelinda
Manche betrachten es als liebenswerte Marotte, andere halten den Brauch, sich am Nachmittag für den Besuch der beinahe wie Pilze aus dem Boden schießenden Landhausopern der britischen Sommersaison in Schale zu werfen, für einen absurden Anachronismus – noch dazu, wenn man für das Picknick in der langen...
