Der Liebe Macht
Draußen vor der Tür glüht das Pflaster, drinnen im Saal das Verlangen. Doch vergeblich. Zernichtet ist die Zauberin, ein mächtiger Donnerschlag hat das Ende ihrer Herrschaft in der Oper Frankfurt eingeleitet. Göttlicher Wille? Womöglich. Jedenfalls (und sehr buchstäblich) ein Einschnitt, eine Peripetie. Aufgerissen die Wände ihres Reichs, aufgerissen ihre Seele.
Und so liegt sie, im seidenschwarzen Nachtkleid, dort am Boden ihres Luftund Luftschlosses, das Kaspar Glarner für sie gebaut hat, umgeben von den wilden Tieren (die hier aber lauter gesichtslose Männer in weißer Unterwäsche sind) und beklagt ihr Schicksal: «Ah, mio cor!» Händel hat der traurigen Titelfigur seiner 1735 in die Welt gelangten Oper «Alcina» dafür ein Andante larghetto komponiert, das schmerzlichschöner, bittersüßer kaum sein könnte. Dicke c-Moll-Tränen tropfen in schleppenden Streicher-Achteln ihre Wangen herab zu Boden, und eigentlich weiß die Arme gar nicht, wie ihr geschieht. Immer wieder haucht Monika Buczkowska-Ward das eine Wörtchen «Perché?» ins Dunkel, doch nichts und niemand ist da, der ihr diese eine Frage beantworten könnte. Alcina, allein zu Haus. Im Mittelteil der Arie, einem Allegro in der ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten und Regine Müller
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen...
Bern bebt. Bern brüllt. Bern brummt. Je nachdem, wo man sich an diesem heißen Frühsommertag aufhält (es ist zugleich der längste des Jahres), begegnet man den unterschiedlichsten Formen von Klang oder Geräusch. Rund um den Bundesplatz im Zentrum zieht eine sichtlich aufgebrachte, aber friedliche Menge von rund 10.000 Menschen mit Mikrophonen, Transparenten und...
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
