Armenien, mon amour

Eindrücke vom 43. Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb in Bern

Opernwelt - Logo

Bern bebt. Bern brüllt. Bern brummt. Je nachdem, wo man sich an diesem heißen Frühsommertag aufhält (es ist zugleich der längste des Jahres), begegnet man den unterschiedlichsten Formen von Klang oder Geräusch. Rund um den Bundesplatz im Zentrum zieht eine sichtlich aufgebrachte, aber friedliche Menge von rund 10.000 Menschen mit Mikrophonen, Transparenten und einer gehörigen Portion an emotionaler Energie durch die engen Gassen, von der Polizei umsichtig eskortiert.

Die Demonstranten haben sich versammelt, um ihrer Forderung nach einem freien Palästina nachhaltigen und lautstarken Ausdruck zu verleihen. Einige der Rednerinnen und Redner steigern sich dabei in einen Rausch hinein, der das Mindestmaß an rhetorischer Eleganz um einiges übersteigt, was wiederum kaum verwundern darf – die katastrophale Lage im Gaza-Streifen führt bei nicht wenigen Menschenkindern zu einem eklatanten Ausstoß an nachgerade biblischer Zornesaufwallung. Bis hin zum Berner Theater dröhnt das Geräusch, und auch dort werden extreme Gefühle verhandelt, nur eben etwas mildtönend-klassischer.

Zum ersten Mal überhaupt in der 43-jährigen Geschichte der «International Hans Gabor Belvedere Singing Competition» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Verhängnisvolle Leidenschaften

Woll- oder Leinenfäden werden an diesen Arbeitsplätzen nicht mehr versponnen. Dafür gibt es Kabel: Die quellen über Schreibtische, während die beiden Damen auf ihren Tastaturen hämmern, um immer neue Avatare zu erzeugen: Webkunst 2.0. Wir sind über Ovids Antike schließlich hinaus. Dazu wird gesungen, hanebüchen Schweres von Antonio Vivaldi. Ein Showdown, hier...

Editorial Opernwelt 8/25

Kaum jemand konnte seiner Traurigkeit und leisen Bestürzung über den Zustand des (weiblichen) Ichs im patriarchal-geteilten Deutschland nach 1945 so plastisch-poetisch Ausdruck verleihen wie die Schriftstellerin Brigitte Reimann. «Alles schmeckt nach Abschied», notierte sie einmal in ihrem Tagebuch, und betrachtet man das Leben dieser Künstlerin, klingt der Satz...

Der Liebe Macht

Draußen vor der Tür glüht das Pflaster, drinnen im Saal das Verlangen. Doch vergeblich. Zernichtet ist die Zauberin, ein mächtiger Donnerschlag hat das Ende ihrer Herrschaft in der Oper Frankfurt eingeleitet. Göttlicher Wille? Womöglich. Jedenfalls (und sehr buchstäblich) ein Einschnitt, eine Peripetie. Aufgerissen die Wände ihres Reichs, aufgerissen ihre Seele....