Armenien, mon amour
Bern bebt. Bern brüllt. Bern brummt. Je nachdem, wo man sich an diesem heißen Frühsommertag aufhält (es ist zugleich der längste des Jahres), begegnet man den unterschiedlichsten Formen von Klang oder Geräusch. Rund um den Bundesplatz im Zentrum zieht eine sichtlich aufgebrachte, aber friedliche Menge von rund 10.000 Menschen mit Mikrophonen, Transparenten und einer gehörigen Portion an emotionaler Energie durch die engen Gassen, von der Polizei umsichtig eskortiert.
Die Demonstranten haben sich versammelt, um ihrer Forderung nach einem freien Palästina nachhaltigen und lautstarken Ausdruck zu verleihen. Einige der Rednerinnen und Redner steigern sich dabei in einen Rausch hinein, der das Mindestmaß an rhetorischer Eleganz um einiges übersteigt, was wiederum kaum verwundern darf – die katastrophale Lage im Gaza-Streifen führt bei nicht wenigen Menschenkindern zu einem eklatanten Ausstoß an nachgerade biblischer Zornesaufwallung. Bis hin zum Berner Theater dröhnt das Geräusch, und auch dort werden extreme Gefühle verhandelt, nur eben etwas mildtönend-klassischer.
Zum ersten Mal überhaupt in der 43-jährigen Geschichte der «International Hans Gabor Belvedere Singing Competition» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Als Gerard Mortier im Jahr 2002 die erste Ausgabe der Ruhrtriennale programmierte, war sofort klar, dass das zeitgenössische Musiktheater einen neuen Experimentierraum gefunden hat. Auf ehemaligen Industriegeländen, abseits der üblichen Institutionen, Opernhäuser oder Konzertsäle, setzt dieses Festival von Anfang an auf alle möglichen Querverbindungen zwischen...
Antonio Caldara gilt schon lange nicht mehr als jener barocke Kleinmeister, als den man ihn lange Zeit klassifiziert hatte. Für seine Zeitgenossen war er einer der bedeu -tendsten Komponisten überhaupt, seine Berufung an den Wiener Kaiserhof Karls VI., an dem er von 1716 bis zu seinem Tod 1736 wirkte, und die enorme Verbreitung seiner Musik in ganz Europa...
Viel sagt der Geist des getöteten Königs nicht in Shakespeares «Hamlet». In drei Szenen tritt Hamlets Vater, der zuvor von seinem Bruder Claudius heimtückisch ermordet wurde, auf, nur in zweien davon erklingt seine Stimme. Und doch ist kaum eine Gestalt – sehen wir einmal von Banquos Wiedergänger in «Macbeth» ab – derart beunruhigend und binnen Sekunden imstande,...
