Armenien, mon amour

Eindrücke vom 43. Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb in Bern

Opernwelt - Logo

Bern bebt. Bern brüllt. Bern brummt. Je nachdem, wo man sich an diesem heißen Frühsommertag aufhält (es ist zugleich der längste des Jahres), begegnet man den unterschiedlichsten Formen von Klang oder Geräusch. Rund um den Bundesplatz im Zentrum zieht eine sichtlich aufgebrachte, aber friedliche Menge von rund 10.000 Menschen mit Mikrophonen, Transparenten und einer gehörigen Portion an emotionaler Energie durch die engen Gassen, von der Polizei umsichtig eskortiert.

Die Demonstranten haben sich versammelt, um ihrer Forderung nach einem freien Palästina nachhaltigen und lautstarken Ausdruck zu verleihen. Einige der Rednerinnen und Redner steigern sich dabei in einen Rausch hinein, der das Mindestmaß an rhetorischer Eleganz um einiges übersteigt, was wiederum kaum verwundern darf – die katastrophale Lage im Gaza-Streifen führt bei nicht wenigen Menschenkindern zu einem eklatanten Ausstoß an nachgerade biblischer Zornesaufwallung. Bis hin zum Berner Theater dröhnt das Geräusch, und auch dort werden extreme Gefühle verhandelt, nur eben etwas mildtönend-klassischer.

Zum ersten Mal überhaupt in der 43-jährigen Geschichte der «International Hans Gabor Belvedere Singing Competition» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
«Wie kein anderes Haus ...»

Es ist eine pro domo-Publikation, herausgegeben von zwei Mit -arbeitern des Intendanten Dietmar Schwarz. Dieser verabschiedet sich nach 13 Jahren und bekommt bestätigt, was er am liebsten hört: «Tatsächlich haben Sie in 13 Jahren so viele Opern und Neukompositionen in Auftrag gegeben wie kein anderes Haus in Europa.» Darauf Schwarz: «Wenn das so stimmt, dann trifft...

Eine wahre Geschichte

Die wahre Geschichte von Mukhtar Mai ist kaum auszuhalten. Weil ihr Bruder angeblich die Ehre einer mächtigen, reichen Familie verletzt hat, wurde sie von mehreren Männern vergewaltigt. Anstatt sich der Scham zu beugen, zeigte die Pakistanerin ihre Peiniger an. Damit war sie 2002 eine der ersten Frauen, die ein solches Verbrechen öffentlich anprangerten. Die...

Es ist genug!

Plötzlich wird es ganz unheimlich. Eine weiße Gestalt kommt die Himmelsbrücke hinab, ein Abgesandter des Herrn: Auf ihn ist Verlass, so verspricht das solistische Vokalquartett, denn «keiner wird zu Schanden, der seiner harret». Und wer da mit allen Fasern seines Herzens auf den Herrn wartet, ist der Prophet Elias, der seinen Gott vertrauensvoll beschwört – «der du...