Der junge und der reife Verdi
Hieße der Komponist nicht Verdi, kein Mensch würde seinen Erstling «Oberto» aus dem Jahr 1839 kennen. Hin und wieder – besonders im Terzett des ersten und im Quartett des zweiten Aktes – blitzt das Talent des 26-Jährigen auf. Im Ganzen aber fällt das dramaturgisch unbeholfene Stück musikalisch nicht nur weit hinter Donizettis Spätwerke, sondern auch hinter die gleichzeitigen Reformopern Saverio Mercadantes zurück. Markus Bosch scheint selbst nicht so recht an die Ausgrabung zu glauben.
Jedenfalls kürzt er mit einer Ausnahme sämtliche Cabaletten und streicht die Strettas der beiden Finali so rüde zusammen, dass die Formproportionen nicht mehr stimmen.
Auch sonst kommt der Mitschnitt von den Opernfestspielen Heidenheim 2016 trotz des frischen Spiels der Cappella Aquileia nicht recht vom Fleck. Unter den vier Protagonisten überzeugt stimmlich wie gestalterisch einzig Katerina Hebelkova mit ihrem warm timbrierten Mezzosopran, während Anna Princeva mit den Koloraturen ihrer Partie Schwierigkeiten hat und die beiden Herren kontur- wie farblos bleiben. Wer das Stück kennenlernen will, sollte darum unbedingt zur älteren, noch lieferbaren Orfeo-Aufnahme unter Lamberto Gardelli (mit Carlo ...
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