Der junge und der reife Verdi

«Oberto» unter Markus Bosch aus Heidenheim, «Otello» unter Christian Thielemann aus Salzburg

Opernwelt - Logo

Hieße der Komponist nicht Verdi, kein Mensch würde seinen Erstling «Oberto» aus dem Jahr 1839 kennen. Hin und wieder – besonders im Terzett des ersten und im Quartett des zweiten Aktes – blitzt das Talent des 26-Jährigen auf. Im Ganzen aber fällt das dramaturgisch unbeholfene Stück musikalisch nicht nur weit hinter Donizettis Spätwerke, sondern auch hinter die gleichzeitigen Reformopern Saverio Mercadantes zurück. Markus Bosch scheint selbst nicht so recht an die Ausgrabung zu glauben.

Jedenfalls kürzt er mit einer Ausnahme sämtliche Cabaletten und streicht die Strettas der beiden Finali so rüde zusammen, dass die Formproportionen nicht mehr stimmen.

Auch sonst kommt der Mitschnitt von den Opernfestspielen Heidenheim 2016 trotz des frischen Spiels der Cappella Aquileia nicht recht vom Fleck. Unter den vier Protagonisten überzeugt stimmlich wie gestalterisch einzig Katerina Hebelkova mit ihrem warm timbrierten Mezzosopran, während Anna Princeva mit den Koloraturen ihrer Partie Schwierigkeiten hat und die beiden Herren kontur- wie farblos bleiben. Wer das Stück kennenlernen will, sollte darum unbedingt zur älteren, noch lieferbaren Orfeo-Aufnahme unter Lamberto Gardelli (mit Carlo ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Impressum August 2017

58. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752303

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...

Viel Sonne und ein Regenbogen

Es gibt Opernhäuser, die wollen schon von außen zeigen, wie bedeutend sie sind – Palermos Teatro Massimo gehört zweifelsohne zu ihnen. Eine monumentale Freitreppe führt zu einem neoklassizistischen Portikus, der von sechs hoch aufragenden korinthischen Säulen getragen und von zwei bronzenen Löwen bewacht wird. Eine mächtige Kuppel überspannt den Zuschauerraum (für...

Von Menschen und Molchen

Das Stück inszeniert sich eigentlich von selbst. Viele Regisseure begnügen sich damit, für Büchners frühen Naturalismus triste Bilder der Hoffnungslosigkeit zu entwerfen, ergänzt um grelle Satiren auf Militarismus, Männergeilheit und wertfrei forschende Wissenschaft. Der gemeine Soldat und Gelegenheitsarbeiter Wozzeck ist Opfer einer menschenverachtenden...