Der Glanz von dunklem Silber
Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung von Arien, Kantaten und Opern verdankte, tat er mit dem nonchalanten Spruch sicher Unrecht.
So hat er etwa das Thema der Arie «Non so qual più m’ingombra» aus Scarlattis Weihnachtskantate in seinem «Messiah» noch knapper gefasst, gleichsam auf den Punkt gebracht. Wer jedoch meint, das Original deswegen links liegen lassen zu können, verpasst eine weitere wunderbare Eingebung im zweiten Teil: Hier greift Scarlatti das Bild von der im Frost erblühenden Blume auf, um die Kälte, die das Christuskind bedroht, mit kühnen eisig-dissonanten Harmonien zu schildern.
Schon dieses Beispiel zeigt, dass es großen stilistischen Feingefühls bedarf, um sich als Sänger auf überzeugende Weise mit einem reinen Scarlatti-Album zu präsentieren. Elizabeth Watts ist dieses Wagnis eingegangen. Mit «Con eco d’amore» gelingt ihr eine Rehabilitierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Carsten Niemann
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Tannhäuser: 6., 13.
– West Side Story: 11., 24., 28.
Altenburg
siehe Gera
Annaberg-Buchholz
Tel. 03733/140 71 31/2
Fa...
Nicht das eher tragische als komische Scheitern reicher, aber ein bisschen bekloppter Sangesdilettantinnen (Sujet zweier aktueller Kinofilme) ist das Thema dieser Ausgrabung, sondern die ehrgeizige und fiebrige Sphäre der Casting-Shows: Vorwiegend weibliche Ruhmsüchtige wanzen sich an vorwiegend männliche Prüfungsorgane heran, um die Karriere anzuschieben. Es darf...
Londons Nebel war notorisch. Aber er gab der Metropole an der Themse zugleich eine ganz spezielle Note, machte sie angeblich so unvergleichlich, dass nicht mal Flugzeuge abreisen wollten. So zumindest der Aphorismus eines Satirikers. Fog und Smog soll es schon im London des 13. Jahrhunderts gegeben haben; die Emission von schwefelhaltigem Rauch durch Kohleheizungen...
