Altersstarrsinn, tödlich
Leben unsere Staats- und Stadttheater eigentlich von Dosenpfand? Oder geht es nicht ohne Dosenbier, wenn es Regisseure in die Unterschicht zieht? Dabei müsste Don Carlo di Vargas als Sohn des Marchese von Calatrava doch eigentlich Besseres gewohnt sein als Bier aus dem Blech. Frank Hilbrich hat beim Einkauf für die Staatsoper Hannover den Einkaufswagen gleich mitgenommen.
Mit dem schiebt sich während der Ouvertüre zu Verdis «La forza del destino» (man singt natürlich auf Italienisch, schreibt den Titel aber vorsichtshalber auf Deutsch) eine Unbehauste auf die Bühne, im Schmuddelmantel, mit allem Hab und Gut. Das sortiert sie jetzt, bis endlich die schicksalspielende Pistole auftaucht. Die Frau entpuppt sich, wir ahnen es, als Leonora di Vargas. Zum tragischen Finale wird sie noch einmal in Obdachlosen-Outfit auftreten – und die verhängnisvolle Waffe noch immer bei sich haben. In Hilbrichs Inszenierung wirft der ertappte Liebhaber Alvaro das todbringende Ding nämlich nicht von sich (worauf sich der folgenschwere Schuss löst), bei ihm gibt es ein tödliches Gerangel zwischen Vater und Tochter, was immerhin deren schlechtes Gewissen begründet. Die Regie will den Fluch des Vaters ( «La ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Rainer Wagner
Die wichtigste Sängerin in Verdis Leben nach Giuseppina Strepponi, der ersten Abigaille im frühen «Nabucodonosor», war die aus der Nähe von Prag stammende Teresa Stolz(ová). Bei den Proben zu «Aida», in der sie 1872 die Titelrolle sang, und zur «Messa da Requiem» kam ihr der Komponist so nahe, dass Strepponi, nach langen Jahren als Konkubine schließlich Verdis...
Ich muss eine Rolle im Kopf und im Körper spüren, um mich reif dafür zu fühlen», äußerte Vesselina Kasarova einmal im Gespräch. Deswegen wollte sie nie von unten an der Decke des von ihr gewählten Faches kratzen, sondern souverän auf dessen Boden stehen. Lange hat sie sich daher auf das Belcanto-Repertoire konzentriert. Erst relativ spät kamen lyrische und...
Zwei junge, hochbegabte Sopranistinnen, Anna Lucia Richter und Julia Sophie Wagner, brechen mit ihren ersten Solo-Alben aus dem Einerlei der Standard-Liedprogramme aus, auch wenn das Ergebnis nicht völlig überzeugt. Als Absolventin der Leipziger Musikhochschule hat Wagner für ihre von Eric Schneider einfühlsam begleitete CD bewusst Lieder der beiden...
