Der ewige Schweinezyklus

Trier Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

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Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, den Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als aktuellen Abgesang auf den Turbokapitalismus zu inszenieren. Zu gut passen die geschilderte Dekadenz, der gnadenlose Materialismus, die Dominanz des Geldes und der drohende Zusammenbruch zu den Schlagzeilen dieser Tage. Regisseur Thilo Reinhardt geht im Theater Trier einen anderen Weg. Er denkt das Stück von seinem Ende her, lässt das Abenteurertrio sein Profit-Center Mahagonny direkt auf die Müllhalde einer imaginären Vorgängerstadt bauen.

Aufstieg und Fall: ein endloser Schweinezyklus, mit ewigen Gewinnern und ewigen Verlierern.
Paul Zollers Bühnenbild zeigt einen Palast, vor dessen Toren sich der Abfall türmt und hinter dessen mächtigen Säulen ein billiges Festzelt-Ambiente auf unterhaltungswillige und zahlungskräftige Kunden wartet. Reinhardts düstere Bilder sind von einer drastischen Ironie, aber sie wahren Distanz zur Gegenwart. Und doch wird im Kopf des Betrachters deutlich, wie visionär Brecht und Weill mit ihrer Schilderung der Dekadenz gedacht haben – auch wenn das, was man für Geld kaufen konnte, vor siebzig Jahren noch nicht Komasaufen, Gang Bang, Dschungelcamp oder Ultimate Fight ...

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Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Dieter Lintz

Vergriffen
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