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Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth ist ein moderner Warlord, der aus egal welchem Krieg nach Hause in seine kleinbürgerliche Vorstadt zurückkehrt.
Das Publikum zoomt immer wieder via gigantischer Google Earth-Screen aus der Vogelperspektive auf die Straßen, Plätze und Häuser hinunter, von Regisseur und Ausstatter Dmitri Tcherniakov zum perfekten Voyeur gemacht. Die Kamera fliegt bis hinein ins Macbeth’sche Wohnzimmerfenster, wo die virtuelle Welt – technisch ein Geniestreich – übergangslos in die Bühnenrealität mündet.
Der Horror findet im Kopf des Titelhelden statt. Die Hexen, Bancos gedungene Mörder, die Aufständischen: Es sind immer nur die grauen Bewohner der grauen Vorstadt, zwischen denen die Handlung abrollt. Die wahre Hölle sind die Nachbarn – Sartre meets Lars von Trier und die «Desperate Housewives». Da ist es nur logisch, dass König Duncan als ...
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Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den...
