Und der Haifisch hat kaum Zähne
Bertolt Brecht hielt nicht besonders viel von der Oper – für ihn war sie ein «wirklichkeitsfremdes» Vergnügen für dicke Bäuche samt Uhrkette und ihre aufgetakelten Gattinnen. Gleichwohl beließ er es nicht bei seiner Kritik an der «völligen Verblödung» der Gattung, sondern erkannte in dieser erzbürgerlichen Kunstform auch das Trojanische Pferd, um seine Kapitalismuskritik in die großen Kulturtempel zu schieben. Mit dem «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» landeten Brecht und Kurt Weill schließlich den angepeilten Skandal in der sterbenden Weimarer Republik.
Im Vergleich zu diesem sperrigen Meisterwerk ist die «Dreigroschenoper» gar keine Oper im landläufigen Sinn, sondern ein experimenteller Zwitter aus Schauspiel, Politrevue, Songspiel und Genreparodie – eine Art niederschwellige Garagenoper, die es bis zum Verbot durch die Nazis auf fabelhafte 10.000 Aufführungen europaweit gebracht hat. Der Clou dieses Megaerfolgs war, dass der Systemkritiker Brecht glänzend daran verdiente: Kaltschnäuzig hatte er sich zwei Drittel der Tantiemen ausbedungen, während für Weill und die Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann (sie lieferte immerhin den Löwenanteil des Textes) nur ein vergleichsweise ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Michael Struck-Schloen
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
Who cares about opera? Who cares about the arts? Who cares about music that is not in the charts? Wer interessiert sich für Oper? Für Kunst im Allgemeinen? Und für Musik, die eben nicht in den gängigen Charts auftaucht? Das sind Fragen, denen man sich ausgesetzt sieht, wenn man als 26-Jähriger nicht rappt, sondern ausgerechnet Opern komponiert. Und wie ich sie...
Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk...
