Der Blick zurück
Er ist im Wald, in Hörweite zum sich einspielenden Orchester, er ist um die antiken Mauern, auch weit weg vom Amphitheater, und im Marketing der Griechischen Nationaloper ist er sowieso allgegenwärtig: Der Genius Loci ist an sämtlichen Ecken und Enden auf dem Gelände des Asklepios-Heiligtums im griechischen Epidaurus spürbar. Aber – er erscheint nicht in Form eines Bildhauers, einer Natur-Gottheit, eines Tragödiendichters oder einer ähnlichen typischen Genius-Loci-Inkarnation. Er erscheint als Schatten der Maria Callas.
Natürlich wurde da ein klein wenig nachgeholfen: Großzügig zwischen den Bäumen verteilte Videound Klanginstallationen namens «Callas Point» zeigen ihr in Mascara gefasstes Auge, den zum Singen offenen Mund, überall flackern in Teilen verfremdete Sound-Schnipsel aus Aufnahmen der Primadonna assoluta, ihrer Stimme entkommt man nirgendwo. Ist man dann über die kleine staubige Ausgrabungsstätten-Straße und schön angelegte Pfade angekommen im 12.000 Menschen fassenden Amphitheater zu Epidaurus, kann die Phantasie gar nicht anders, als eine Zeitreise anzutreten ins Jahr 1961: Damals sang Maria Callas genau hier, die Photos und Sound-Schnipsel wurden an Ort und Stelle ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Stephan Knies
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Das Diaghilev-Festival in Perm steht unter dem unerbittlichen Zwang, sich stets an der eigenen Vergangenheit messen zu lassen. Besucher wie Akteure zehren von Erinnerungen: Die Nostalgie an jene Blütezeit ist noch allgegenwärtig, als man auf den Straßen Romeo Castellucci, Robert Wilson oder Gerard Mortier begegnete und Perm – durchaus berechtigt – den Status als...
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