Auf der Suche nach einer neuen Identität
Das Diaghilev-Festival in Perm steht unter dem unerbittlichen Zwang, sich stets an der eigenen Vergangenheit messen zu lassen. Besucher wie Akteure zehren von Erinnerungen: Die Nostalgie an jene Blütezeit ist noch allgegenwärtig, als man auf den Straßen Romeo Castellucci, Robert Wilson oder Gerard Mortier begegnete und Perm – durchaus berechtigt – den Status als heimliche Kulturhauptstadt Russlands beanspruchte. Aus nahe liegenden politischen wie finanziellen Gründen gehören die illustren europäischen Namen und Koproduktionen der Vergangenheit an.
Inzwischen fungiert musicAeterna als eine Art Dachmarke: Sie umfasst längst nicht mehr nur Orchester und Chor, die dem Dirigenten Teodor Currentzis einst zu Weltruhm verhalfen, sondern auch die Tanzkompanie musicAeterna Dance, die Anton-Rubinstein-Sängerakademie sowie eine Residenz für zeitgenössische Komponisten. Das eigentliche Rückgrat des Festivals bilden mittlerweile Bildungsprogramme, Vorträge und Meisterkurse im Festspiel-Club. In dessen zeitgemäßer Ausstellungsarchitektur ist allein die brillante Präsentation der sogenannten »Permer Holzgötter« – einer einzigartigen Sammlung regionaler sakraler Holzplastiken – ein Ereignis für ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Konstantin Nikischin
Theo Adam hatte einen prächtigen Charakterkopf, der ihn vielleicht auch für Film und Fernsehen prädestiniert hätte. Und tatsächlich hatte er im DDR-Fernsehen seit 1977 bis nahe an dessen (und des zugehörigen Staates) Ende eine eigene Sendereihe, in der er vor prunkvollen Kulissen sowohl prominente Kollegen als auch Nachwuchstalente vorstellte und damit, wie Jan...
Das Grauen in Güllen trägt Grau. Doch keineswegs so offensichtlich bedrohlich wie die grauen Herren in Michael Endes «Momo». Die Bewohner der heruntergekommenen Kleinstadt (Bühne: Heike Vollmer) mit dem vielsagenden Namen halten ihre Individualität so hoch wie ihre spießbürgerliche Anständigkeit. Jedenfalls sind sie entrüstet, als die in jungen Jahren aus ihren...
Georges Bizets «Carmen» ist vielleicht das am gravierendsten verkannte Repertoirestück. Seit 1908 sind weit über 200 Gesamteinspielungen erschienen. Keine einzige wird dem Geist dieser «Operette mit tödlichem Ausgang», wie Bizet selbst sein Werk nannte, gerecht. Auch der Versuch zweier renommierter französischer Institutionen, des Palazzetto Bru Zane und der Opéra...
