Der betörende Glanz der Dummheit
Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener Jugendschutzgesetzes geraten würde, hätte er sich vermutlich nie träumen lassen.
Und doch untersagte dieses Gesetz allen Jugendlichen unter achtzehn den Zutritt zur Aufführung – ungeachtet der Tatsache, dass längst schon Zehnjährige sich brutale Computerspiele hineinziehen, dass gerade Volljährige harte Pornos via Handy verbreiten. Und dass beim letzten österreichischen Stimmgang zum Nationalrat im September die politischen Rechtsaußen nicht zuletzt dank des Wahlrechts bereits für Sechzehnjährige unerwartete Gewinne erzielten.
«The Rake’s Progress» in Wien also erst ab achtzehn. Ein Schildbürgerstreich. Und warum? Wegen der fast greifbare Verlegenheit absondernden Nackten im Puff der Mother Goose? Nebbich. Zumal dieses Freudenhaus offensichtlich kein Haus der Freude war, Kopulation mechanisch imitiert wurde. Natürlich ...
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