Das Salz in ihrer Suppe
Er konnte auch anders. Und, kaum zu glauben, manchmal entdeckte Theodor W. Adorno, großer (Lehr-)Meister der dialektischen Verschachtelung, in sich den Literaten. So beispielsweise in jenem Aufsatz aus den «Moments musicaux» von 1934, der später Eingang in Adornos Beethoven-Buch fand. «Die Reife der Spätwerke bedeutender Künstler», lesen wir da leicht amüsiert (und selbstredend mit gebotener Ehrfurcht), «gleicht nicht der von Früchten.
Sie sind gemeinhin nicht rund, sondern durchfurcht, gar zerrissen; sie pflegen der Süße zu entraten und weigern sich herb, stachlig dem bloßen Schmecken; es fehlt ihnen all jene Harmonie, welche die klassizistische Ästhetik vom Kunstwerk zu fordern gewohnt ist, und von Geschichte zeigen sie mehr die Spur als von Wachstum».
Adorno bezweifelte, dass dies ein stichhaltiges Indiz für eine «rücksichtslos sich bekundende Subjektivität» und eine «Persönlichkeit» sei, die um des Ausdrucks ihrer selbst willen das Rund der Form durchbreche; damit, so sein schlüssiges Argument, werde das Spätwerk «an den Rand von Kunst verwiesen und dem Dokument angenähert». Schaut man sich die letzten (Bühnen-)Werke anderer großer Komponisten an, wird klar, wie grundsätzlich ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
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