Das grafische Auge

Energie in verschiedenen Aggregatzuständen: Barbara Aumüller komponiert Bilder im Moment ihrer Entstehung

Opernwelt - Logo

Ein gutes Opernfoto, sagt Barbara Aumüller, ist beinahe paradox: Je weniger opernhaft es wirkt, desto besser. «Ich lege Wert darauf, dass ein Sänger auf dem Foto nicht singt – so komisch das auch klingen mag. Pathetische Sänger mit offenen Mündern will heute niemand mehr sehen. Ich will jeden Sänger als einen Mensch zeigen, der in seinem Umfeld auf der Bühne eine Geschichte erzählt – über seine Haltung, über Blicke und Gesten.»

Barbara Aumüller, die als Theaterfotografin heute freiberuflich vor allem für die Frankfurter Oper arbeitet, hat ihre Wurzeln im Fotojournalismus.

Nach dem Studium in Frankfurt – sie ist Diplom-Pädagogin – lässt sie sich von Digne Meller Marcovicz ausbilden, eine der wichtigsten Porträtfotografinnen der 1960er- bis 80er-Jahre, damals für den «Spiegel» tätig. Aumüller arbeitet vier Jahre an ihrer Seite, lernt dabei die Abläufe, den präzisen workflow der Analogfotografie kennen. Der Einstieg in die Theaterfotografie erfolgt über einen Umweg – sie schießt Standfotos bei einer Filmproduktion in Frankfurt, lernt dabei einen Schauspieler kennen, der sie auf eine freie Stelle am Theater Darmstadt aufmerksam macht. «Er ist später sehr bekannt geworden», sagt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Das Theaterfoto, Seite 58
von Florian Zinnecker

Weitere Beiträge
Unerfülltes Versprechen

Wenn der Hirsch röhrt, ist das in einer heutigen Aufführung einer romantischen Oper nur als ironisches Zitat zu verstehen. Bei Yona Kims Inszenierung von Robert Schumanns «Genoveva» am Nationaltheater Mannheim darf man sich da nicht so sicher sein. Denn das Gemälde, das an einer hellgrauen Wand aufgehängt wird, ist ästhetisch einwandfrei gearbeitet; die Hirschkuh...

Geschändet

Gleich der erste Blick verrät es. Entsetzliches ist geschehen. Wie ein angeschossenes Reh hockt Mélisande, am ganzen Leib zitternd, in der Ecke jenes weiß gekachelten Raumes, dessen kalte Sterilität an das Interieur von Sarah Kanes «Gesäubert» erinnert, in seiner Mischung aus Schlachthaus, Pathologie und – versinnbildlicht durch ein kleines Holzkreuz – christlicher...

Monströs

Verdis «Rigoletto» als Politthriller: Duca, ganz Machtpolitiker heutigen Stils, ist soeben wieder gewählt worden, ein riesiges Plakat hängt noch in seinem Büro. Am liebsten würde er gleich eine Diktatur ausrufen. Rigoletto ist sein Propagandachef. Über der Bühne flimmert die Fernsehshow «Rigoletto’s World», in der er Gegner angreift und lächerlich macht. Der...