Der Welt abhanden gekommen

Bayreuther Dirigierwerkstatt: Nathalie Stutzmann erweist sich als Glücksfall für «Tannhäuser», Pietari Inkinen setzt in «Rheingold» und «Walküre» auf einen transparenten Orchesterklang

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Wenn sich ein Problem nicht lösen lässt, ist es intelligent, es aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Richard Wagner erzeugt im «Tannhäuser» ebenso wie im «Parsifal» eine Dichotomie zwischen Religion und Sexualität, die selbst für das 19. Jahrhundert radikal ist.

Schon deshalb darf Tobias Kratzers Inszenierung für die Bayreuther Festspiele aus dem Jahr 2019 als intelligent gelten: Er übergeht den Konflikt und ersetzt ihn durch einen anderen – den zwischen Hochkultur und Popkultur, dem bürgerlichen Musikkult im Tempel am Grünen Hügel und der anarchistischen Welt der Venus, die sich letztlich ebenso als bürgerlich, weil vermarktbar erweist. Man muss die Produktion nicht mehr rühmen, entgegen ursprünglicher Planung soll sie auch im kommenden Jahr wieder gezeigt werden. Das ist umso richtiger, als sie in diesem Sommer mit der Dirigentin Nathalie Stutzmann endlich eine passende Partnerin auf musikalischer Ebene gefunden hat.

Der wohl endgültige Durchbruch der Altistin als Taktgeberin kommt nicht über Nacht, sie gehört auch nicht zu denen, bei denen das Dirigieren den Spätherbst einer Sängerkarriere verlängert. Stutzmann dirigiert schon lange, hat den «Tannhäuser» schon 2017 in der ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 7
von Michael Stallknecht

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