Dämonische Koloraturen
Schillers Historiendrama um die Schottenkönigin Maria Stuart lieferte Donizetti die Steilvorlage für einen der wohl besten Zickenkriege der Operngeschichte. Im berühmten Duell der Diven am Schluss des ersten Akts fliegen allerdings nur dann so richtig die Fetzen, wenn sich die Kontrahentinnen in puncto Stimmgewalt und Temperament einigermaßen ebenbürtig sind.
Womit bereits die erste Enttäuschung von Moshe Leisers und Patrice Cauriers insgesamt eher schwachbrüstigen Neuinszenierung der zweiten von Donizettis drei Tudor-Königinnenopern angesprochen wäre: die Besetzung der Partie der Elisabetta mit Carmen Giannattasio, die sich gerade auf den Weg vom lyrischen ins Spinto-Fach gemacht hat. Schon ihre erste Arie ließ erahnen, dass ihr das pyrotechnische Rüstzeug für das später geforderte vokale Feuerwerk nicht eben von der Natur in die Stimmbänder gelegt wurde. Angestrengte Läufe in der Cabaletta und ein allzu hitziger Wechsel ins Brustregister waren frühe Vorboten dafür, dass hier eine Stimme nicht mit der Inbrunst und dem Gefühlsüberschwang der Partie würde mithalten können.
Spätestens der Auftritt der Titelheldin in der zweiten Szene machte die Befürchtung zur Gewissheit: Joyce ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Edward Seckerson (Aus dem Englischen von Marc Staudacher)
Sie sagten einmal, Ihr Bayreuther «Parsifal»-Dirigat habe Sie verändert. Was ist passiert? Mir war das vorher nicht so deutlich, dass Wagner nicht nur ein grandioser Komponist, sondern auch so etwas war wie der erste große Dirigent. Bei ihm ist alles...
Sie haben Ihre Abschiedsvorlesung an der Uni Basel über Tod in der Oper gehalten. Wenn Sie für sich zwei Listen machen würden – Opern mit und ohne Tote –, welche wäre länger?
Die mit tödlichem Ausgang. Das ist auch eine Frage der persönlichen Vorliebe.
Inwiefern?
Es gibt mehr gute...
Was du ererbt von deinen Vätern hast», heißt es in Goethes «Faust», «erwirb es, um es zu besitzen.» Hat man sich das bei der EMI vor Augen gehalten, als es um die Künstlerin ging, deren Erbe wohl mehr Zinsen abgeworfen hat als das von irgendjemand sonst und das jahrzehntelang vom Marketing mit dem absurden Allerlei von «Best of»-Kompilationen geschändet wurde?
«Ca...
