Visuelle Archäologie
Die Anmutung erinnert an ein Renaissance-Gemälde: die klaren Linien und Proportionen, die Harmonie der Formen und Farben, die Überfülle der Details, der souverän überschauende Blickpunkt. Das fotografische «Porträt» des Auditoriums im Gran Teatre del Liceu wirkt wie eine Komposition, wie das Werk eines Künstlers, der seinen Gegenstand mit den Augen des Architekten betrachtet. Nicht die prachtvolle «Kostümierung» des 2292-Plätze-Saales, all der pupurrote Samt und glänzende Goldstuck, bildet das Kraftzentrum des Bildes, sondern das innere Licht, die stille Erhabenheit des Raumes.
Eines Raumes, in dem Energien zu fluten scheinen, die weniger in die (perspektivische) Tiefe als nach oben, in die Höhe drängen – zum (Opern-)Himmel, zu den Göttern, zur Sonne.
Wenn der türkische Fotograf Ahmet Ertug seine Großbildkamera aufstellt, geht es ihm darum, die «Seele eines Gebäudes», die Substanz eines Kunstwerks zu treffen und festzuhalten. Seine Serien, etwa über byzantinische Keramik oder orientalische Teppiche, über die Baukunst des osmanischen Palladio-Zeitgenossen Sinan, das antike Ephesos oder die Bibliotheken Europas, zielen auf eine visuelle Archäologie der Kulturgeschichte zwischen Orient ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Albrecht Thiemann
Marek Janowski ist in den sechziger Jahren im deutschen Stadttheater-System groß geworden. Über drei Jahrzehnte hat er an allen bedeutenden Bühnen der Welt gearbeitet. In den Neunzigern kehrte er ihnen im Zorn über den «Regiewahnsinn» den Rücken. Ganz konnte er als Theatermann und Wagner-Fan aber nicht von der Oper lassen. Mit konzertanten Aufführungen und...
Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die...
Windschief. Ungeduldig hingefläzt. Die Schiebermütze in den Nacken gedrückt rutscht Krzysztof Warlikowski auf dem Regiestühlchen hin und her, von dem er sich zur Begrüßung nur ganz kurz, für ein sehr müdes Lächeln, erhoben hat. Sein Tag sei schlecht gewesen, entschuldigt er sich. Die Proben zum «Rake’s Progress» von Strawinsky, die er an der Berliner Staatsoper...
