Visuelle Archäologie
Die Anmutung erinnert an ein Renaissance-Gemälde: die klaren Linien und Proportionen, die Harmonie der Formen und Farben, die Überfülle der Details, der souverän überschauende Blickpunkt. Das fotografische «Porträt» des Auditoriums im Gran Teatre del Liceu wirkt wie eine Komposition, wie das Werk eines Künstlers, der seinen Gegenstand mit den Augen des Architekten betrachtet. Nicht die prachtvolle «Kostümierung» des 2292-Plätze-Saales, all der pupurrote Samt und glänzende Goldstuck, bildet das Kraftzentrum des Bildes, sondern das innere Licht, die stille Erhabenheit des Raumes.
Eines Raumes, in dem Energien zu fluten scheinen, die weniger in die (perspektivische) Tiefe als nach oben, in die Höhe drängen – zum (Opern-)Himmel, zu den Göttern, zur Sonne.
Wenn der türkische Fotograf Ahmet Ertug seine Großbildkamera aufstellt, geht es ihm darum, die «Seele eines Gebäudes», die Substanz eines Kunstwerks zu treffen und festzuhalten. Seine Serien, etwa über byzantinische Keramik oder orientalische Teppiche, über die Baukunst des osmanischen Palladio-Zeitgenossen Sinan, das antike Ephesos oder die Bibliotheken Europas, zielen auf eine visuelle Archäologie der Kulturgeschichte zwischen Orient ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Albrecht Thiemann
«Adriana Lecouvreur» wurde 1902 in Mailand uraufgeführt, bevor sie zwei Jahre später in einer ersten Produktion an der Royal Opera Covent Garden zu erleben war. Die letzte dortige Aufführung vor David McVicars aktueller Neuproduktion datiert, man höre und staune, in das Jahr 1906 zurück. Überhaupt war «Adriana Lecouvreur», abgesehen von gelegentlichen Gastspielen...
Überraschen müsste nicht die späte Einsicht, die hier mitgeteilt und begründet wird. Überraschen müsste, dass es dazu so spät erst kommt. Immerhin liegt, worum es hier geht, schon mehr als hundert Jahre zurück, ohne dass es historisch verjährt wäre. Ob die Einsicht – falls sie denn überhaupt einleuchtet – zu heutigen Konsequenzen führen wird, bleibt abzuwarten....
Trotz vier großer Bühnen war die mediale Außenwirkung der Pariser Opernhäuser bislang bescheiden. Die Produktionen von Bastille-Oper, Châtelet und Opéra Comique wurden nur sporadisch auf DVD festgehalten. Das 2009 gegründete Label fRA Musica scheint das jetzt ändern zu wollen. Nach einem erfolgreichen Start vor einigen Monaten mit Purcells «Dido» folgten mit der...
