Brüder im Geiste

Nikolaus Harnoncourt stellt beim Styriarte Festival Offenbachs «Barbe-Bleue» im Originalgewand vor

Opernwelt - Logo

Draußen vor der Helmut-List Halle, in einem an Sultan Saladins Zeiten erinnern­den Zelt, prangt das Logo ei­nes Energie versprechenden Prickeldrinks. Doch wer braucht hier ein Aufputschmittel? Wohnt nicht jeder Harnoncourt-Premiere ohnehin ein Prickeln inne, zumal, wenn es sich um Offenbach handelt? Beide Herrschaften verbindet ja mehr als das Cellospiel und die Mitgliedschaft bei der Légion d’honneur.

Seit Langem begeistert der Grazer Maestro, dessen voller Name Nikolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt auf seine gallischen – genauer: lothringischen Wurzeln – verweist, sich für den deutsch-französischen Maître der Bouffes-Parisiens. Aufführungen von «La belle Hélène» und «La Périchole» (beide in den 1990er-Jahren in Zürich) sowie der «Grande-Duchesse de Gérolstein» (vor zehn Jahren in Graz) belegten dies mit Verve. Nun nahm Nikolaus Harnoncourt sich im Zeichen des diesjährigen Styriarte-Mottos «Gefährliche Liebschaften» Offenbachs «Barbe-Bleue» vor, eine köstliche Verhohnepipelung der Legende vom nuptialen Serienmörder.

Das Publikum der Uraufführung am 5. Februar 1866 im Théâtre des Variétés in Paris war freilich eher verstört. Und auch danach konnte sich das Stück ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Generation Onegin

Jahrzehntelang bekamen Regisseure, die schöpferisch mit klassischen Werken umgehen, zu hören, sie sollten doch lieber neue Stücke schreiben. Genau das ist jetzt beim dritten «Infektion!»-Festival der Berliner Staatsoper geschehen. Seine beiden repräsentativen Uraufführungen sind Opern über Opern. Claus Guth und Helmut Oehring haben im Schiller Theater Henry...

Liebe auf den ersten Burger

Aschenbrödels Familie ist ausgewandert – in die USA. Dort siedeln der junge englische Regisseur Sam Brown und die Ausstatterin Annemarie Woods «La Cenerentola» an. Dass die beiden Gewinner des European Opera Directing Price und des «Ring»-Award 2011 nun am Luzerner Theater Regie führten, ist kein Zufall: Intendant Dominique Mentha betätigt sich gern als...

Natalie Dessay macht Schluss

Die Königin der Nacht: mochte sie nicht («Keine Chance, aus der Figur etwas zu machen», sagte sie unlustig im Vorfeld der Salzburger «Zauberflöte» von Achim Freyer im Jahr 1997). Blondchen: mochte sie auch nicht. Überhaupt: Es gebe sehr wenige Rollen für sie, mit ihrer kleinen Stimme. Und jetzt, mit 48, denkt sie ans Aufhören. Juliette? Lucia? Adina? «In meinem...