Boulevard statt Komödie
Man nehme eines der zahlreichen Shakespeare-Stücke – in diesem Falle «Viel Lärm um nichts» –, streiche den Hauptstrang des dramatischen Plots, den Scheintod der schönen Hero und ihre glückliche Wiederauferstehung, konzentriere sich auf die beiden Nebenfiguren Béatrice und Bénédict, beide angeblich Liebes- und Eheverächter, die durch eine Intrige dann zum glücklichen Hochzeitspaar werden – und man erhält, so man Hector Berlioz heißt und über genügend musikalische Einfälle verfügt, eine der entzückendsten, leichtfüßigsten, zauberhaftesten Spielopern der französischen
Spätromantik: «Béatrice et Bénédict», ein bei seiner Uraufführung 1862 im neu erbauten Theater zu Baden-Baden frenetisch gefeiertes Werk, später rasch in Vergessenheit geraten, hoch geschätzt unter Kennern, eine kostbare, aber kaum gespielte Rarität. In Bremen unternahm man jetzt einen neuen Versuch, dem Werk auf die Beine zu helfen. Und der ging leider ziemlich schief. Dabei waren vor allem die musikalischen Voraussetzungen für eine gelungene Wiederentdeckung ausnahmslos gegeben: Die Bremer Philharmoniker unter Stefan Klingele setzen mit kammermusikalischem Feinsinn von der quirligen Ouvertüre bis zum Finale genau das ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gerhart Asche
Seit einer Produktion in Freiburg 1971 brauchte Maurice Yvains Erstlingsoperette «Ta Bouche» trotz Volker Klotz’ Lobeshymne im Standardwerk «Bürgerliches Lachtheater» mehr als ein halbes Jahrhundert, um erneut in einem deutschen Theater gespielt zu werden. Dabei hatte schon die Uraufführung am Pariser Théâtre Dannou 1921 eine ganze Reihe von Erfolgen nach sich...
Glucks am 18. Mai 1779 in Paris uraufgeführte «Iphigénie en Tauride» war nicht die erste französische Oper, die den Stoff des antiken Dramas von Euripides aufgriff. Fast auf den Tag genau 75 Jahre früher war an der Pariser «Académie Royal de Musique» das Gemeinschaftswerk von Henry Desmarest und André Campra herausgekommen. Der wegen seiner Liaison mit einer...
Die Namen von Robert Fürstenthal und Walter Aptowitzer sind vermutlich nur wenigen Eingeweihten ein Begriff. Beide Komponisten stammten, wenngleich sie unterschiedlichen jüdischen Milieus angehörten, aus Wien; beide mussten 1938, nach dem «Anschluss» Österreichs, ihre Heimat verlassen, um nicht in die Fänge des nationalsozialistischen Terrors zu geraten; und beide...
