Iss mal einen Keks!
Das Rote Meer teilt sich: Die Hebräer fliehen vor den Ägyptern, die in den zurückflutenden Wassermassen versinken. Mit diesem alttestamentarischen Bild endet Rossinis «Moses in Ägypten». Der Komponist schätzte dramatische Effekte. Um das Verbot weltlicher Opern zur Fastenzeit zu umgehen, griff er – wie viele Komponisten seiner Zeit – auf einen biblischen Stoff zurück, von dem er sich eine spektakuläre Bühnenwirkung versprach.
Seine 1818 in Neapel uraufgeführte «Azione tragico-sacra» über den Auszug aus Ägypten war ein außerordentlicher Erfolg, auch wenn die technische Ausführung des Schlussbildes bei der Premiere gründlich misslang: Hinter den Kulissen wurden Bühnenarbeiter sichtbar, die die Wellen des Meeres zum Rollen brachten.
Am Theater Gießen setzt das Regieteam bei der Neuinszenierung des Werks nun von vorn -herein auf einen anders gearteten Schluss. Zusammen mit ihrem Team war die Regisseurin Carmen C. Kruse zuvor in der Stadt ausgeschwärmt. In Kitas, in Familienzentren, in Senioreneinrichtungen und in Kleingartenvereinen hatten sie danach gefragt, wie das gelobte Land der Freiheit denn heute aussehen könnte. Im Schlussbild werden die Antworten nun auf Videoleinwänden ...
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Opernwelt April 2025
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Silvia Adler
Zweimal wird die Schiebetür im Hintergrund geöffnet. Die Aussicht: ganz famos. Ein Wald-Wiesen-Idyll – nur dass ein Absperrklebeband das Panorama teilt und Stacheldraht die Aussicht stört. Davor steht ein riesiger Metallstuhl. Der kann beklettert und umgekippt werden, ist Thron, Zimmerecke oder auch mal eine Art Gefängnis. Ganz reduzierte szenische Zeichen sind...
Eines kann man dem Duo Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka gewiss kaum vorwerfen: dass sie ihr Konzept nicht beinhart durchziehen würden. Auch der dritte Teil ihres «Rings» verlegt das Bühnenwerk komplett in jenes mehrgeschossige Labor, in dem blonde oder blondierte Götter, Nachtalben, Menschen und Klone seit vielen Opernstunden an Fortpflanzungsgeschichten...
Fürwahr, der hanebüchene Plot des zu Weihnachten 1833 an der Mailänder Scala uraufgeführten Werks geht in diesem Fall nicht auf das Konto des Librettisten. Im Gegenteil, Felice Romani tat alles, um die Knoten der schauerromantischen Tragödienvorlage Victor Hugos zu entwirren. So wird die in Venedig und Ferrara angesiedelte Handlung überhaupt erst nachvollziehbar:...
