Böhmen liegt am Meer
Was habe ich nur verbrochen, dass ich so viel leiden muss!» Dieser Stoßseufzer Smetanas, bei deutschen Theaterbesuchern längst ein geflügeltes Wort, ist in tschechischen Opernhäusern undenkbar. Prag, Olmütz und Brünn, Pilsen und Aussig inszenieren publikumsfreundlich, die Dramaturgie wird den Stücken gerecht, Bühne und Kostüme ergeben Sinn und bereiten sogar Vergnügen. Der Smetana-Zyklus in Ostrava, dem einstigen Mährisch-Ostrau, bestätigt die grundsolide und deswegen noch lange nicht provinzielle Arbeits- und Kunstauffassung eindringlich.
Trachtenterror und IdyllenInflation sind immer auch ein bisschen Flunkerei. Hier ist die Oper noch ein Fest, und an neun aufeinander folgenden Tagen wird ein echtes Festival daraus.
Vor 150 Jahren sah das anders aus. Smetana klagte nicht grundlos, er litt furchtbar, wahrscheinlich so sehr wie kein anderer Komponist jener Zeit. Drei Töchter starben im Kleinkindalter, ihnen folgte seine junge Frau, eine zweite Ehe ging gründlich in die Brüche. Er selbst erkrankte – wie eine Obduktion nahelegte – an Syphilis und endete, vollständig ertaubt, im Irrenhaus.
Seine Landsleute bereiteten ihm die Hölle auf Erden. Obwohl er 1861 nach seiner Rückkehr aus ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Essay, Seite 62
von Volker Tarnow
Diesem Anfang wohnte zweifellos ein besonderer Zauber inne – auch wenn das Debüt von Wagners «Walküre» in Athen mit kurioser Verspätung stattfand: Mehr als 150 Jahre nach ihrer Uraufführung wurde die Oper erstmals in ihrer Geschichte als Eigenproduktion der Griechischen Nationaloper gezeigt. Wagner in Athen – das klingt noch immer exotisch. Doch das könnte sich...
arte
01.05. – 15.50 Uhr
Europakonzert 2024 aus Tsinandali - Georgien
Im Rahmen der Europakonzerte interpretieren die Berliner Philharmoniker unter musikalischer Leitung von Daniel Barenboim die Schicksals-Symphonie von Ludwig van Beethoven sowie das Violinkonzert in D-Dur von Johannes Brahms.
05.05. – 03.10 Uhr
Elīna Garanča und Juan Diego Flórez bei den Salzburger...
Eine singuläre, ebenso bizarre wie tiefgründige Schöpfung sei der «Faust», schrieb 1826 Jean Jacques Ampère, der Sohn des berühmten Physikers, in «Le Globe», dem Pariser Intelligenzblatt, das sich als Propagandainstrument des Romantisme verstand. Man finde in Goethes Dichtung «Modelle aller Stile, von der grobschlächtigsten Komödie bis zur erhabensten Poesie; ein...
