Bluthochzeit

Ersan Mondtag zeigt Strauss’ «Salome» an der Opera Vlaanderen in Antwerpen als Parabel über das verdient-grausame Ende des Patriarchats. Alejo Pérez lotet die massive Partitur auch nach schönen Momenten aus

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Nein, der Mond scheint hier nicht über Judäa. Weder am Anfang, wenn er im Original als seltsame Scheibe am freitonalen Firmament auftaucht und den wunderschön singenden Narren Narraboth (Denzil Delaere) in seiner nachgerade idiotischen Verliebtheit anstrahlt, noch am Ende, wenn er aus dem grellen Cis-Dur-Tremolo hervorbricht und die Prinzessin beleuchtet, kurz bevor Herodes den Befehl gibt, sie zu töten. Und auch dazwischen sieht man Frau Luna keine Sekunde lang.

Über der fähnchenbewehrten, mit ikonographischen Motiven aller Arten versehenen und mit zwei riesigen Mount Rushmore-Gebilden (in denen wir Nachbildungen von Salome und Herodes vermuten dürfen) ausgestatteten Trutzburg, die Ersan Mondtag als sein eigener Ausstatter auf die Bühne der Opera Vlaanderen gewuchtet hat wie ein Riesenspielzeug aus Stein, Staub, Stahl und Sand, liegt unheilverkündendes Halbdunkel (Lichtdesign: Sascha Zauner). Und wüsste man in den ersten Minuten schon, wie das Innere dieser festen Burg, die vom Glauben nur sehr bedingt durchglüht ist, aussieht, man hätte schon zu diesem frühen Zeitpunkt eine böse Ahnung: Das nimmt nicht nur für die Titelheldin ein schlimmes Ende. Doch dazu später mehr.

Denn ...

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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

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