Wie auf Speed
Kafkas Roman «Der Prozess» beginnt mit dem legendären Satz «Jemand musste Josef K. verleumdet haben». Längst zählt diese lapidare Mitteilung zu den ikonischen Romananfängen der Weltliteratur, kündigt sich doch darin ein Lebensgefühl an, das man heute etwas inflationär als «kafkaesk» bezeichnet. Josef K. wird also eines Morgens ohne Angabe von Gründen verhaftet wird und gerät in die Mühlen einer Justiz, deren Motive und Regeln völlig undurchschaubar bleiben.
Der Roman wurde zur Metapher der überkomplexen Moderne mit all ihren wuchernden Bürokratien und jenen nebulösen Vorgängen, in denen sich das jeden Sinns beraubte Subjekt zunehmend ausgeliefert und verloren fühlt. Eine legendäre Musiktheater-Version des Stoffes stammt von Gottfried von Einem, einem Komponisten, der heute kaum präsent ist auf den Spielplänen. Seine Oper «Der Prozess», vor 70 Jahren in Salzburg uraufgeführt, kam nun als Produktion des Musik-Theaters an der Wien in der Spielstätte Kammeroper heraus, in einer Kammerfassung von Tobias Leppert, die sich der Corona-Pandemie verdankt; Regie führte Stefan Herheim.
Bevor sich der Vorhang hebt, tritt der Intendant auf die Bühne und heißt das Publikum launig zur ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Dass die vom Genre der Opéra-bouffe vorgesehene Rettung des Paares aus aussichtsloser Einkerkerung gelingt, liegt an einem alten Gefangenen, der sich seit zwölf Jahren mit einem Messerchen einen Tunnel in die Freiheit gräbt: Im genau richtigen Moment hat er sich nun in die Zelle der Périchole und ihres Piquillo durchgewühlt. Es fehlten, sagt er, bloß noch zwölf...
Alexander Puschkin ist gerade mal 31 Lenze alt, da schreibt er ein Gedicht, das in seiner gedankenschweren Melancholie klingt wie der Abschiedsgruß eines Lebensmüden. «Der irren Jahre längst vergangene Lust / Liegt lastend wie ein Rausch auf meiner Brust. / Doch wird, wie Wein, der Schmerz, den ich erfahren, / Nur stärker noch und schwerer mit den Jahren. / Mein...
Der Sturm tobt nur außen. Was gut ist. Man möchte ihn wirklich nicht erleben. Dazu lässt es das Philharmonische Orchester Ulm ordentlich krachen, blitzen und donnern. Es ist ein kosmischer, apokalyptischer Orkan, der alles und jeden wegfegt. Die Menschen haben sich in eine Schutzzone zurückgezogen, einen von Neonlicht erleuchteten Betonraum zwischen Bunker-Anmutung...
