Blickwechsel
Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift gegen die uns umgebende Verdrießlichkeit, ist Bewegung, Passion, Reise, métissage, Farbe, Feiern, Teilhabe. Vielfalt und Reichtum. Das magere Mobiliar, das minimalistische Grau in Grau nähert sich dem Ende.
Es kündigt sich die neo-barocke Weltsicht an.» So viel Emphase spürt man selten im kühlen Norden. Schon gar nicht im tristen Revier zwischen Dortmund und Duisburg. In einer Gegend, wo nicht die Zitronen blühen, sondern Pommes mit Mayo. Wo immer mehr Kommunen kurz vor dem Bankrott stehen. Wo einen die Krise aus jeder Brandmauer anspringt und es kaum was zum Feiern gibt. «Für mich ist die Musik nicht nur Klangelement, sondern Teil eines in Raum und Zeit integrierten Ganzen. Barockmusik ist Teil unserer zeitgenössischen Kunst.» Auch das sind frische Töne, die man im Kulturdiskurs an der Ruhr, überhaupt in den ...
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Mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Dass es klappt. Dass man es wirklich ernst nehmen kann. Dass man eingeschliffene Hörerwartungen und Klangperspektiven gern korrigiert? Cecilia Bartoli singt Norma – die ganze Partie (die Arie hatte sie schon vorher aufgenommen). Ein Wagnis. Als die Römerin vor zwanzig Jahren ihre Karriere startete, hätte das niemand vorhersagen...
Wenn im Dessauer «Maskenball» zum Schlussapplaus der Sänger des Gustav vor den Vorhang tritt, erhebt sich ein Mann im Publikum, zückt eine Pistole, schießt. Der König bricht zum zweiten Mal zusammen. Mörder unter uns? Eher: ein Gag, der spätestens nach der Premiere durch die Kritiken bestens bekannt ist und nur wenige überraschen dürfte. Regisseur Roland Schwab...
Folklore in der «Verkauften Braut»: Ja oder nein? Und wenn ja, wie viel? Und dann ist da noch die Frage nach dem Umgang mit der Komödie an sich: Smetanas Oper von 1866 stellt Regisseure offenbar vor immer größere Probleme. Im Rhein-Main-Gebiet hat zuletzt Georg Köhl in Wiesbaden eine hintergründige Emanzipationsgeschichte der Marie herausgefiltert; Stein Winge...
