Blickwechsel
Multikulti und Barock – geht das zusammen? Ja, sagt der argentinische Musiker und Dirigent Gabriel Garrido in einem Interview für das Festival «Theater der Welt», das in diesem Jahr in Mülheim und Essen Station machte. «Die Welt des Barock öffnet sich anderen Welten, reist um den Planeten, entdeckt das Universum. ... Das Expressive des Barock ist ein Gegengift gegen die uns umgebende Verdrießlichkeit, ist Bewegung, Passion, Reise, métissage, Farbe, Feiern, Teilhabe. Vielfalt und Reichtum. Das magere Mobiliar, das minimalistische Grau in Grau nähert sich dem Ende.
Es kündigt sich die neo-barocke Weltsicht an.» So viel Emphase spürt man selten im kühlen Norden. Schon gar nicht im tristen Revier zwischen Dortmund und Duisburg. In einer Gegend, wo nicht die Zitronen blühen, sondern Pommes mit Mayo. Wo immer mehr Kommunen kurz vor dem Bankrott stehen. Wo einen die Krise aus jeder Brandmauer anspringt und es kaum was zum Feiern gibt. «Für mich ist die Musik nicht nur Klangelement, sondern Teil eines in Raum und Zeit integrierten Ganzen. Barockmusik ist Teil unserer zeitgenössischen Kunst.» Auch das sind frische Töne, die man im Kulturdiskurs an der Ruhr, überhaupt in den ...
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Als Zemlinsky zu Beginn seines amerikanischen Exils im Januar 1939 von einem Reporter der «New York Times» auf seine neueste Oper angesprochen wurde, antwortete er zögerlich: «It is ultra modern». Das 1935 bis 1938 im Particell entworfene, aber nur zu Teilen instrumentierte Werk – es hätte sein opus summum werden sollen – blieb unvollendet. Anthony Beaumont hat die...
Viel zu tun bleibt für Macduff nicht mehr. Eingesunken in seinen Rollstuhl, zitternd und am lebendigen Leib von Geschwüren zerfressen, ist sein Feind Macbeth schon am Ende, bevor der Sieger zum finalen Schlag ausholt. Nicht die Rebellen sind es, die den Usurpator in Krzysztof Warlikowskis Inszenierung an der Brüsseler Monnaie-Oper für seine Gewalttaten bestrafen –...
Gekommen war man, um Anna Netrebko in einer ihrer Paraderollen zu hören – doch das Ereignis der neuen «Manon» des Royal Opera House in London war am Ende nicht die Diva, sondern ihr Chevalier. «Die Geburt eines neuen Stars», «Das sensationellste Debüt seit Langem» bejubelte die englische Presse den jungen Italiener Vittorio Grigolo, der damit wohl den...
