Bleierne Zeit

Yuval Sharon gestaltet Péter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» an der Wiener Staatsoper als Psychothriller

Es ist ein Ort der bleiernen Zeit, den die Ausstatterin Esther Bialas für Yuval Sharons Inszenierung von Peter Eötvos’ «Tri sestri» auf die Bühne der Wiener Staatsoper gebaut hat. Ein Salon, von entkräftetem Kerzenlicht beleuchtet, in dem die Stunden auf Zehenspitzen vorbeischleichen und die Tage wie Kugeln mit mattem Klang eintönig in weite, leere Gefäße fallen. Panta rhei, alles fließt, andauernd und wie in Zeitlupe – hier in Wien auch Menschen und Interieur, meist von links nach rechts. Melancholie auf dem Laufband.



Drei Schwestern auf der Suche nach der verlorenen Zeit. In einer kleinen Garnisonsstadt gestrandet, hoffen sie vergeblich auf die Heimkehr ins geliebte Moskau. Auch private Erfüllung ist ihnen nicht beschieden. Irina (die in Erscheinung und Sopran aparte Aida Garifullina) würde den Offizier Tusenbach heiraten, der freilich vorher im Duell mit seinem Nebenbuhler Soljony den Tod findet. Olga (fragil, streng und mit samtenem Alt: Ilseyar Khayrullova) fühlt sich zur Ehe- und Hausfrau berufen, wird jedoch unvermählt in den Lehrberuf abgedrängt. Und Mascha (Margarita Gritskova, ein wenig an Morticia Addams erinnernd, mit silbernem Mezzo) möchte ihr traniges Eheleben mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Mal ehrlich: Aus dem Leben eines Taugenichts

Gestern haben wir uns ein Musical angesehen. Von mir aus wär ich wohl kaum hingegangen, aber eine Freundin hat da mitgemacht. Versteht sich von selbst, dass wir nachher auch hinter die Bühne sind, um ihr vorzuschwärmen, wie sehr wir den Abend genossen hätten. Dabei war’s schrecklich. Einfach grauenhaft – zu lang, zu platt, zu schlecht gemacht. Ich wusste es, die...

Wert der Kunst

Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...

Seufzer und Wachsblumen

Es gibt, wie man weiß, die unterschiedlichsten Seufzer. Jene leichten, sehnsuchtsvollen, die «Schlittschuh auf nächtlichem Eis» laufen, wie Christian Morgenstern dies suggeriert. Jene anderen, tief befriedigenden. Und dann auch jene, die sich der Brust schwer entringen, weil sie einen Einschnitt bedeuten, eine Wende im Leben. Ottavia nimmt in Monteverdis...