Bis ins Extrem
Händels Zeitgenossen taten sich schwer mit seinem musical drama «Hercules», in dem sich Traditionen der Oper und des Oratoriums vermischen. Heute gilt das Werk als eines der packendsten des Komponisten, das sich, anders als zur Zeit Händels, mit den Mitteln des modernen Theaters auch auf der Bühne realisieren lässt. Für Luc Bondy war «Hercules» die erste und einzige Begegnung mit Händel.
Dafür war seine Inszenierung, 2003 beim Festival von Aix-en-Provence herausgekommen, an mehreren Orten zu erleben, unter anderem 2004 in Paris, wo der erst kürzlich auf DVD veröffentlichte Live-Mitschnitt entstand.
Bondy lässt das Stück vor einer grauen Betonwand spielen. Zertrümmerte Statuen verweisen darauf, dass die Welt, in der das Geschehen stattfindet, eine kriegerische ist. Hercules tritt in moderner Uniform auf: ein Held unserer Zeit, an dessen Händen das Blut der letzten Schlachten klebt. Bondy verzichtet aber auf allzu offenkundige Gegenwartsbezüge und konzentriert sich auf die spannungsvolle Beziehung zwischen den Protagonisten. Im Mittelpunkt steht Dejanira, Hercules’ von Eifersucht zerrissene Frau – eine Paraderrolle für Joyce DiDonato, die die Abgründe dieser Figur ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf
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