Bildwitz und Klangduft
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich quasi durch seine Arbeit nachdrücklich Gehör. Sein Gagstart zur «Liebe zu den drei Orangen» dürfte auch lokalpolitischen Hintersinn haben.
Seine dann folgende, bilderreiche Berner Einrichtung von Prokofjews Opernmärchen nach Carlo Gozzi bewegt sich in der Inszenierungstradition. Aber darin bewegt sie sich gewandt, alert, mit Witz und Ironie. Nur, dass Adam es mit den sexuellen Anspielungen ein wenig übertreibt. Noch die Sandhügel in Johannes Leiackers Wüste ähneln auffallend weiblichen Brüsten.
Der malade Jammerprinz, von der Hexe Fata Morgana zur Suche nach den Orangen verdonnert, bricht stante pede und samt seinem Krankenbett dorthin auf. Eine große Drehtür, die samt einem weinroten Theatervorhang die Sandlandschaft bis dato verdeckt hatte, bleibt. Das ist nicht der einzige Bildwitz. Wie auch Eva Desseckers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Der Leipziger Gluck-Zyklus geht weiter. Nach «Alkestis» (siehe OW 6/2010) hat Peter Konwitschny als zweites Stück seiner Auseinandersetzung mit dem Opernreformator die 1774 für Paris entstandene «Iphigenie in Aulis» inszeniert. Wieder geht es ihm – gut ideologiekritisch – darum, das Frauenopfer als Metapher und Basis der modernen Zivilisation freizulegen. Die...
Francesco Cilea – ein Westentaschen-Puccini, der’s in seiner «Adriana Lecouvreur» immer wieder mal krachen lässt? Weit gefehlt. Jedenfalls drängt sich dieser Eindruck in der Freiburger Wiedergabe der 108 Jahre alten Comédie-Française-Schmonzette auf, die zum 100-Jährigen des Hauses anberaumt wurde. Im Breisgau wird das Leise bei Cilea kultiviert, der zarte, innige,...
Nicht einmal zehn Minuten braucht man zu Fuß, um vom Opernring in die Linke Wienzeile zu gelangen. Und doch liegen Welten zwischen der mit Stars, Glamour und touristenkompatibler Repertoire-Pflege prunkenden Staatsoper und Wiens (neben der Volksoper) «drittem» Opernhaus, das seit 2006 unter der Leitung von Roland Geyer dank klarer Programmatik und kluger...
