Bildwitz und Klangduft
Pech für den Intendanten und Regisseur. Obwohl er mit einem Mikrofon ausgestattet den Vorhang teilt – wir verstehen kein Wort von ihm. Die Vertreter des Publikums, die «Tragischen» und die «Komischen», die «Lyrischen» und die «Hohlköpfe», die ihn aus den Proszeniumslogen chorisch bedrängen, übertönen den Hausherrn locker. Doch keine Bange, Marc Adam verschafft sich quasi durch seine Arbeit nachdrücklich Gehör. Sein Gagstart zur «Liebe zu den drei Orangen» dürfte auch lokalpolitischen Hintersinn haben.
Seine dann folgende, bilderreiche Berner Einrichtung von Prokofjews Opernmärchen nach Carlo Gozzi bewegt sich in der Inszenierungstradition. Aber darin bewegt sie sich gewandt, alert, mit Witz und Ironie. Nur, dass Adam es mit den sexuellen Anspielungen ein wenig übertreibt. Noch die Sandhügel in Johannes Leiackers Wüste ähneln auffallend weiblichen Brüsten.
Der malade Jammerprinz, von der Hexe Fata Morgana zur Suche nach den Orangen verdonnert, bricht stante pede und samt seinem Krankenbett dorthin auf. Eine große Drehtür, die samt einem weinroten Theatervorhang die Sandlandschaft bis dato verdeckt hatte, bleibt. Das ist nicht der einzige Bildwitz. Wie auch Eva Desseckers ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Heinz W. Koch
Seit achtzig Jahren war Hector Berlioz’ Mammut- und Meisterwerk «Les Troyens» nicht mehr in Berlin zu erleben. Die Deutsche Oper wagt sich jetzt daran. Am Pult steht, fünf Stunden lang, Donald Runnicles, der neue Musikchef des Hauses. Das andere Mammut- und Meisterwerk des 19. Jahrhunderts, «Der Ring des Nibelungen», wird derzeit an der Oper Frankfurt produziert:...
Herr Kränzle, seit Längerem wird eine Krise des Wagner-Gesangs beklagt. Bemängelt wird unter anderem fehlende Textverständlichkeit. Betrachtet man in diesem Zusammenhang die «Rheingold»-Produktion der Berliner Staatsoper am Schiller Theater, in der Sie den Alberich singen, gibt es drei Möglichkeiten. Erstens: Sie sind einfach gut. Zweitens: Daniel Barenboim sorgt...
Berlioz ohne Orchester ist wie Rembrandt ohne Licht. Deshalb muss man zweifellos dankbar sein, dass das Orchester der Deutschen Oper Berlin die Premiere von «Les Troyens» gespielt hat. Es hätte auch streiken können, denn es befindet sich, wie ein Handzettel am Eingang verkündet, «im offenen Tarifkonflikt». (Wir haben das Thema in dieser Zeitschrift schon...
