Bildertheater
Sie heißen Fürst Blangis, Präsident Durcet, Curval, einer ist schlicht der «Bischof». Irgendwann tauchen sie auf, als Figuren eines Skandalfilms, zwischen gefangenen Lust -knaben, Soldaten und gaffenden Menschen. Und schon bald ist nicht mehr klar: Was ist Realität? Was nur nachgestellt? Wobei es sich doch eigentlich um «Tosca» handelt – doch tut das an der Bayerischen Staatsoper erst mal nichts zur Sache. Kornél Mundruczó, als Kinoregisseur sozialisiert, riskiert die Hommage an einen großen, umstrittenen Kollegen.
Sein Cavaradossi ist niemand anderes als Pier Paolo Pasolini, der hier seine «120 Tage von Sodom» (im Original «Saló») dreht. Spielort ist exakt jene Villa in diesem Gardasee-Ort, an dem faschistische Perverslinge ihre Fantasien ausleben. Der Sittenpolizei um Scarpia, obgleich sexuell ebenfalls auf Abwegen unterwegs, gefällt das nicht. Und zwischen den Welten wandelt eine Diva, Tosca, tut es mit Allusionen an Pasolinis Muse Maria Callas, die daran zerbricht.
Viele konzeptuelle Prämissen sind das, zumal Mundruczó die Ebenen auch noch überblendet. Ohnehin hängt ein großes Fragezeichen über der Aufführung. Denn braucht «Tosca», dieses auf einen perfekten Dreiecks-Thriller ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Markus Thiel
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Die Verehrung einer alternden Frau für einen deutlich jüngeren Liebhaber wird noch heute, zumal vom männlichen Geschlecht, nicht selten süffisant belächelt. Zu Zeiten von Englands erster Langzeitkönigin – Elisabeth I. war zugleich letzter dynastischer Spross der Tudors – muss die Neigung mindestens boshafte Blicke ausgelöst haben. Fraglos kam da auch gemeines...
Diese Düsterkeit ist niederschmetternd. Nachdem Blut geflossen ist wie Wasser, nachdem verraten, betrogen und gemordet wurde, als gäbe es kein Morgen, nachdem Anführer und Herrscher aufstiegen und wieder aus dem Weg geräumt wurden – nach all dem steht das Volk, repräsentiert hier von den sogenannten «Altgläubigen», mit erhobenen Armen da und wünscht sich nichts...
