«Biegsam bin ich immer noch»
Frau Silja, Sie haben im April Ihren 85. Geburtstag gefeiert. Sind sie eine lebende Legende?
Nein, als solche empfinde ich mich keineswegs. Und lebende Legenden gibt es ohnehin nicht, nur mausetote.
Was sind Sie dann?
Ich bin einfach nur eine Sängerin mit langjährigen Erfahrungen.
Das klingt sehr bescheiden ...
Ich halte mich diesbezüglich an den im April verstorbenen Papst Franziskus: Man sollte nicht immer alles heroisieren.
Es scheint, als hätten Sie eine selbstironische Distanz zu sich selbst …
Ja, das sehen Sie richtig. Ich bin so aufgewachsen. Mein Großvater war überaus ironisch, Wieland Wagner war es ebenfalls. Das sind zwei jener Menschen, von denen ich sehr viel gelernt und übernommen habe; wahrscheinlich ist das so in mir. Ich merke es manchmal gar nicht, aber es hat mich nie gestört, ich kann damit gut leben. Otto Klemperer etwa war in hohem Maße ironisch, aber damit habe ich immer einen guten Umgang gefunden und auch nie etwas Einfältiges gesagt. Er war nie sprachlos und hat absichtlich häufiger mal eine unerwartete, nicht zur Situation passende Bemerkung gemacht und uns damit sprachlos gemacht.
Waren Sie frech? Forsch? Gar frivol?
Ich war immer direkt, damit bin ich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Anja Silja, Seite 122
von Jürgen Otten
Herr Volkov, wenn Sie auf der Bühne stehen, wirkt es, als wären Sie dort geboren. Erzählen Sie, wie alles begann. Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Ich wurde in einer kleinen Stadt in der Ostukraine geboren. Schon als Kind spürte ich, dass nur die Musik mein Interessengebiet ist. Irgendwann zogen wir nach Donezk – eine größere Stadt, in der ich ernsthaft...
Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:
Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen
enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen.
Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? –:
in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, –
heiliger Abschied:
da uns das...
Solche Abende gibt es. Selten. Aber es gibt sie. Man sitzt an einem heißen Frühsommertag in einem Opernhaus oder, wie im vorliegenden Fall, in einem ehemaligen Straßenbahn-Betriebshof, blickt gespannt auf die Bühne – und wird dann buchstäblich übermannt. Eine Stimme erklingt, und im gleichen Moment hat man sowohl die aberwitzigen Temperaturen als auch alle Sorgen...
