In höheren Sphären

Es war an der Zeit. Das Opernhaus Zürich hat schon in den vergangenen Jahren herausragende Arbeit geleistet. Nun, am Ende der Intendanz von Andreas Homoki, wurde dies belohnt – mit der Auszeichnung zum «Opernhaus des Jahres». Eine Lobrede

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Das Opernhaus Zürich ist «Opernhaus des Jahres». Aktuell. Vielleicht muss man aber weit zurückgehen, um dieEigenheit dieses Hauses zu begreifen. Etwa in die Corona-Zeit. Es ist der Herbst 2020. Abstandsregeln machen in Deutschland Aufführungen nahezu unmöglich. Am Zürichsee ist man da entspannter, ins Opernhaus dürfen 900 von potenziell 1150 Gästen, aber das ist nicht der Punkt, um den es hier geht. Denn: Die Orchestermusikerinnen und -musiker müssen ja auch Abstand zueinander halten.

Die Zürcher Lösung, in ihrem Pragmatismus symptomatisch für dieses Haus: Das Orchester der Philharmonia Zürich sitzt im Orchesterprobenraum, einen Kilometer von der Oper entfernt, auch der Chor ist dort. Was der Chor singt, was das Orchester spielt, wandert auf direktem Weg durch ein Glasfaserkabel ins Opernhaus und dort in die Lautsprecheranlage. Auf der Bühne selbst befinden sich nur die Gesangssolistinnen und -solisten.

Natürlich gab es damals Kollegen, die die Nase rümpften – Oper aus dem Lautsprecher könne man sich auch zu Hause anhören. Aber dort stehen keine singenden Menschen herum, selten jedenfalls, außerdem beeindruckte das Ergebnis. Wichtiger aber war die Botschaft: Nicht aufgeben! ...

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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 6
von Egbert Tholl

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