Biblische Parabel
Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche, die einzige Kirche der Stadt, die nach der Kriegszerstörung in alter Form wiedererrichtet wurde, war für vier Wochen Bühne. Das Experiment mit dem ungewohnten Raum war gleichzeitig ein Experiment mit einem ungewohnten Objekt.
Kassel ist keine Stätte barocker Musik und schon gar nicht barocken Musiktheaters. So durfte man auf die angekündigte Premiere von Nicola Porporas «Il Gedeone» doppelt gespannt sein.
Das Werk, 1737 als (erfolglose) Bewerbung für Wien komponiert, ist keine Oper, sondern ein Oratorium und erzählt die Geschichte Gideons aus dem alttestamentlichen Buch der Richter. Vom Gott der Juden zum Führer erwählt, stößt er Baal vom Altar und schlägt die Midianiter mit einer kleinen Schar von Gerechten.
Regisseur Benedikt Borrmann nimmt «Il Gedeone» in stark gekürzter Form als Folie, um die Fatalität von Krieg und ...
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Zu den wichtigsten Aktivposten der Ära Zehelein an der Stuttgarter Staatsoper gehörte die 1997 institutionalisierte «Junge Oper», deren Absicht es ist, Kinder und Jugendliche spielerisch an das Musiktheater heranzuführen. Albrecht Puhlmann hat die Einrichtung seines Vorgängers übernommen. Barbara Tacchini, die neue Leiterin des kleinen Teams, lässt alles beim...
Maskierungen und Verschleierungen auf der Opernbühne scheinen oft ein Fall für die Humorforschung. Bisweilen wirken die Figuren seltsam begriffsstutzig: Geht eine Frau neben einem Mann, und weil sie sich abwendet, merkt er nicht, dass es die eigene ist. Bei einem Maskenball hingegen fischen zwei Liebende einander so schnell aus dem Pulk, als hätten sie sich ein...
In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus...
