Biblische Parabel
Eigentlich sollte der Januar beim Staatstheater Kassel ein opernloser Monat sein, denn das provisorische «Kuppeltheater» auf dem Friedrichsplatz schloss an Silvester seine Tore, das renovierte Opernhaus aber wird erst am 3. Februar mit «Tristan und Isolde» wiedereröffnet. Doch musste das Publikum nicht auf Musiktheater verzichten. Denn die gotische Brüderkirche, die einzige Kirche der Stadt, die nach der Kriegszerstörung in alter Form wiedererrichtet wurde, war für vier Wochen Bühne. Das Experiment mit dem ungewohnten Raum war gleichzeitig ein Experiment mit einem ungewohnten Objekt.
Kassel ist keine Stätte barocker Musik und schon gar nicht barocken Musiktheaters. So durfte man auf die angekündigte Premiere von Nicola Porporas «Il Gedeone» doppelt gespannt sein.
Das Werk, 1737 als (erfolglose) Bewerbung für Wien komponiert, ist keine Oper, sondern ein Oratorium und erzählt die Geschichte Gideons aus dem alttestamentlichen Buch der Richter. Vom Gott der Juden zum Führer erwählt, stößt er Baal vom Altar und schlägt die Midianiter mit einer kleinen Schar von Gerechten.
Regisseur Benedikt Borrmann nimmt «Il Gedeone» in stark gekürzter Form als Folie, um die Fatalität von Krieg und ...
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Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
Prokofjews «Peter und der Wolf» (1936) zählt zu den Klassikern eines für Kinder konzipierten Hörtheaters. Die Geschichte des kleinen Jungen, der sich über die Gebote des Großvaters hinwegsetzt, den schützenden Hof verlässt, um mit seinen Tierfreunden die gefährliche Welt draußen zu erkunden, liegt in unzähligen Audio- und Filmversionen vor. Namhafte Dirigenten und...
Würde man die neue «Carmen» in Covent Garden an der Zahl der Hintern messen, die sie auf die Stühle des Royal Opera House lockt, müsste man sie einen spektakulären Hit nennen. Francesca Zambellos Inszenierung gibt dem Publikum Zucker, die Produktion wird sich zweifellos als ebenso langlebige wie profitable Repertoire-Nummer bewähren.
Macht man das Urteil indes an...
