Beziehungsprobleme
Wie kann man das ungeschriebene Gesetz umgehen, nach welchem «Cavalleria rusticana» und «I Pagliacci» unter dem Spitznamen «Cav/Pag» am selben Abend aufgeführt werden? 2012 stellte Nicolas Joel diese Praxis nicht in Frage, als Giancarlo Del Monaco die beiden Einakter an der Bastille Oper verkoppelte. Auch an der Mailänder Scala blieb Stéphane Lissner 2011 der Tradition treu, als er die Schwesterwerke dem italienischen Filmemacher und Regisseur Mario Martone anvertraute. Anders verfuhr er nun in Paris, von der Mailänder Produktion wurde nur «Cavalleria» übernommen.
Diesmal war das realistische sizilianische Rachedrama, Inbegriff des italienischen Verismo, mit einem Stück des deutschen Expressionismus’, mit Paul Hindemiths «Sancta Susanna» verklammert; auch dafür zeichnete Martone verantwortlich. Hindemiths 1922 uraufgeführtes Jugendwerk ist noch nie an der Pariser Oper gespielt worden, doch diese Paarung wirft natürlich Fragen nach dem (möglichen) dramaturgischen Zusammenhang auf.
In Lyon hat Serge Dorny vor vier Jahren mit blendendem Erfolg bewiesen, dass Puccinis «Trittico» und Einakter aus der deutschen Moderne bestens zueinander passen. Damals wurde «Sancta ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Christian Merlin
Schon Giacomo Puccini hätte aus Franz Molnárs «Liliom» gern eine Oper gemacht. Der Grund hierfür lag auf der Hand: Das Kleine-Leute-Milieu der «Vorstadtlegende», der machohaft rüde, dann aber doch nicht völlig schlechte Jahrmarktsausrufer Liliom und seine Braut Julie, die so stur wie hingebungsvoll hinnimmt, dass er sie schlägt – es wäre der perfekte Stoff für...
Die Effekte sind schon ziemlich spektakulär: Dass Peter Pan und seine Londoner Freunde über die Bühne fliegen, wird natürlich erwartet. Aber der Junge, der niemals erwachsen werden will, kann auch Wände hochlaufen, und in Jason Southgates puppenstubigem Bühnenbild gibt es eine Eisenbahn-Strecke, über die nicht nur altmodische U-Bahn-Waggons ruckeln, sondern...
Draußen Regen. Novemberwind. Ein kalter Abend nach einem trüben Tag, grau in grau. Drinnen auf der Bühne mediterranes Chiaroscuro, hartes Dunkel durchkreuzt von flirrendem Licht, weiße Wände wie mit schwarzer Tinte bespritzt – Kontraste, scharf wie die Rapiere der Fechter, die sich mit Aggression aufpumpen gegen den nachbarlichen Feind. Aus solcher Enge quasi...
