Zugabe

Dass er noch einmal auf der Bühne stehen könnte, hat JOHANNES MARTIN KRÄNZLE nicht geglaubt, vor anderthalb Jahren, als nur noch eine Handbreit lag zwischen ihm und dem Tod. Jetzt ist der Bariton wieder da – und spricht offen über seine Gefühle und Gedanken in größter Not

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Herr Kränzle, Sie mussten wegen einer lebensbedrohlichen Knochenmarkserkrankung ein Jahr pausieren. Was genau ist passiert?
Die ersten Symptome habe ich im Februar 2015 bemerkt. Ich probte in Frankfurt gerade für eine Wiederaufnahme des «Parsifal»: Amfortas, ein Rollendebüt. Eines Tages wurde mir beim Singen für ein paar Sekunden plötzlich schwarz vor Augen. Das wiederholte sich. Nun kursierte in dieser Zeit gerade eine böse Grippe, das halbe Ensemble war krank. Zunächst habe ich die Ausfälle darauf geschoben.

Während der Generalprobe hatte ich dann zeitweilig das Gefühl, die Kontrolle über die Stimme zu verlieren. Ganze Phrasen fühlten sich an, als seien sie ferngesteuert. Am Morgen nach der Premiere wachte ich auf und dachte, ich sei in ein schwarzes Loch gefallen, total ausgelaugt, die Stimme war weg.

Ahnten Sie bereits, dass etwas Ernsthaftes dahinter stecken könnte?
Nein. Ich habe zunächst einige HNO-Ärzte aufgesucht. Der Befund lautete: Monocorditis. Das heißt: Nur ein Stimmband war entzündet, die andere Seite völlig in Ordnung. Das kommt höchst selten vor und ist mit Verweis auf eine Grippe oder andere Infektion nicht zu erklären. Schließlich brachte ein ...

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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Albrecht Thiemann

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