Berlin: Prall, stählern, exzessiv
Die neue «West Side Story» an der Komischen Oper ist bis auf Weiteres ausverkauft. Dass diese Produktion des Intendanten und Chefregisseurs Barrie Kosky und seines Choreografen Otto Pichler ein echtes musiktheatralisches Ereignis ist, hat sich rasch herumgesprochen. In der originalen Orchesterbesetzung und nahezu ungestrichen gespielt, entpuppt sich Bernsteins Hitparade unter der Leitung von Koen Schoots als stählern instrumentiertes Werk, das die klanglichen Exzesse eines Strawinsky oder Varèse zum Tanzen bringt.
Schoot lässt die zwölftönige Fuge in Riffs «Cool»-Song ins schier Chaotische kippen und wagt in den gefühlvollen Momenten ein instrumental heikles pianissimo – die Musiker der Komischen Oper folgen mit jener wachen Neugier, die dieses Orchester auszeichnet.
Das klingt prall und intensiv, jedoch nirgends forciert oder verzerrt. Und stimmt beeindruckend mit Inszenierung und Choreografie zusammen. Alles «Diskursive» in den gesprochenen Zwischentexten wird so knapp wie möglich abgehandelt – der scharf umrissene Affekt, wie er durch Übertragung der Rhythmen und Klänge auf Körper und Stimme entsteht, vermag die Essenz der Szenen zu konzentrieren.
Die Bühne ist ein düsterer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling
Nicht nur durch ihre Liebeskünste wusste Madame Pompadour Louis XV. zu fesseln, sie sorgte sich auch um seine geistige Erbauung. Deshalb gab sie bei Jean-Philippe Rameau eine Opéra-ballet in Auftrag, die 1748 in ihrem Privattheaterchen zur Aufführung gelangte, mit ihr selbst in der Rolle der Venus. Neun Jahre später arbeitete Rameau, mittlerweile ein alter Mann,...
Bei einem Großformat wie «Parsifal» summieren sich künstlerische Entscheidungen zu ansehnlicher Lebenszeit: Was Pierre Boulez 1970 in gut dreieinhalb Stunden verhandelte, dafür ließ sich James Levine 1990 eine geschlagene Stunde mehr Zeit. Von Richard Strauss stammt das Bonmot, der Meister habe «Parsifal» schon sehr langsam komponiert, dazu brauche man nicht durchs...
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
