Berlin: Prall, stählern, exzessiv
Die neue «West Side Story» an der Komischen Oper ist bis auf Weiteres ausverkauft. Dass diese Produktion des Intendanten und Chefregisseurs Barrie Kosky und seines Choreografen Otto Pichler ein echtes musiktheatralisches Ereignis ist, hat sich rasch herumgesprochen. In der originalen Orchesterbesetzung und nahezu ungestrichen gespielt, entpuppt sich Bernsteins Hitparade unter der Leitung von Koen Schoots als stählern instrumentiertes Werk, das die klanglichen Exzesse eines Strawinsky oder Varèse zum Tanzen bringt.
Schoot lässt die zwölftönige Fuge in Riffs «Cool»-Song ins schier Chaotische kippen und wagt in den gefühlvollen Momenten ein instrumental heikles pianissimo – die Musiker der Komischen Oper folgen mit jener wachen Neugier, die dieses Orchester auszeichnet.
Das klingt prall und intensiv, jedoch nirgends forciert oder verzerrt. Und stimmt beeindruckend mit Inszenierung und Choreografie zusammen. Alles «Diskursive» in den gesprochenen Zwischentexten wird so knapp wie möglich abgehandelt – der scharf umrissene Affekt, wie er durch Übertragung der Rhythmen und Klänge auf Körper und Stimme entsteht, vermag die Essenz der Szenen zu konzentrieren.
Die Bühne ist ein düsterer ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling
Elektrisierende Streicher, dunkel murmelndes Klavier. Wind, der die Baumwipfel zaust, in rhythmischen Böen niederstreicht – so beginnt Ralph Vaughan Williams’ «On Wenlock Edge» zu Texten aus A. E. Housmans «A Shropshire Lad», uraufgeführt 1909. Dann sind da die Glocken in «Bredon Hill», schwingende Quinten, leichtfüßig durchschrittene Terzen, schließlich düstere...
Meldungen
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Es beginnt ohne Orchester mit einem faszinierenden Klangsymbol. Eine knabenhaft helle, gleißende Sopranlinie fährt wie ein Lichtbogen durch den dunklen Raum. Auffällig an dem ansonsten schlichten Melisma das Tritonus-Intervall, als traditioneller diabolus in musica hier Vorbote von Verhängnis. Tatsächlich erscheint das periodisch im Stück wiederkehrende...
