Berg: Lulu
Die Paris-Episode der Cerha’schen «Lulu»-Komplettierung hielt Joachim Kaiser – wie er in seiner Uraufführungskritik 1979 formulierte – für eine «ziemlich überflüssige und unergiebige Unterbrechung» des Ganzen. Peter Grisebach nimmt in seiner Bremerhavener Produktion von Bergs nachgelassener Oper diesen Gedanken auf und streicht, neben einigen anderen Kürzungen, dieses erste Bild des dritten Aktes komplett.
Er erreicht damit eine handhabbare, stringent durchlaufende Fassung des Werkes, die sich durch die Betonung der Schlussszene vom Fragment durch eine stärkere Handlungslogik unterscheidet und doch dessen Spieldauer von (mit Pause) knapp zweieinhalb Stunden kaum überschreitet. Eine empfehlenswerte Lösung für kleinere Bühnen.
Auch in seiner Inszenierung bekommt Grisebach das Stück, das er als distanzierte Parabel ablaufen lässt, erfreulich gut in den Griff. Zu dem eindrucksvoll klaren Bühnenbild (Marcel Zaba) mit der von einer geschwungenen Freitreppe halb umschlossenen runden Spielfläche kontrastiert die ausgefeilte Körpersprache, mit der Lulu – etwa in der ersten Szene mit Schigolch – ihren Kontrahenten begegnet. Eun-Joo Park strahlt dabei eine kühle Emotionalität aus, die sich ...
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