Berg: Lulu

Bremerhaven, Berg: Lulu

Opernwelt - Logo

Die Paris-Episode der Cerha’schen «Lulu»-Komplettierung hielt Joachim Kaiser – wie er in seiner Uraufführungskritik 1979 formulierte – für eine «ziemlich überflüssige und unergiebige Unterbrechung» des Ganzen. Peter Grisebach nimmt in seiner Bremerhavener Produktion von Bergs nachgelassener Oper  diesen Gedanken auf und streicht, neben einigen anderen Kürzungen, dieses erste Bild des dritten Aktes komplett.

Er erreicht damit eine handhabbare, stringent durchlaufende Fassung des Werkes, die sich durch die Betonung der Schlussszene vom Fragment durch eine stärkere Handlungslogik unterscheidet und doch dessen Spieldauer von (mit Pause) knapp zweieinhalb Stunden kaum überschreitet. Eine empfehlenswerte Lösung für kleinere Bühnen.
Auch in seiner Inszenierung bekommt Grisebach das Stück, das er als distanzierte Parabel ablaufen lässt, erfreulich gut in den Griff. Zu dem eindrucksvoll klaren Bühnenbild (Marcel Zaba) mit der von einer geschwungenen Freitreppe halb umschlossenen runden Spielfläche kontrastiert die ausgefeilte Körpersprache, mit der Lulu – etwa in der ersten Szene mit Schigolch – ihren Kontrahenten begegnet. Eun-Joo Park strahlt dabei eine kühle Emotionalität aus, die sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2007
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kein Feuer, kein Scheiterhaufen

Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel...

Macht, Liebe, Eifersucht

Ein täglicher Blick in die Zeitung bringt es an den Tag: Macht, Liebe und Eifersucht sind die Triebkräfte, die die Menschheit in Atem halten. Was Wunder, dass sie seit jeher auch die Künstler umtreiben, von den Epen Homers über die mittelalterlichen Ritter­romane bis hin zur Fantasy-Literatur unserer Tage. Oper und Kino machen keine Ausnahme. Im Gegenteil, beide...

Reimann: Melusine

Aribert Reimann ist in Nürnberg kein Unbekannter: 1982 wurde hier mit ­Erfolg der «Lear» realisiert. Wenn nun «Melusine» herauskommt, so hat das sicherlich auch damit zu tun, dass es derzeit am Staatstheater ein Ensemblemitglied gibt, das alle Voraussetzungen für die Titelpartie mitbringt. Marlene Mild hat sich ein ganzes Jahr Zeit genommen, um die mit...