Bauchmensch
Ziemlich genau 30 Minuten ist der zweite Aufzug alt, da wird er zur Anfechtung, auch für manchen Wagner-Nerd. Der Überraschungsangriff des Vorspiels, die jubelnden «Hojotohos» Brünnhildes, der Ehezank im XXL-Format. Und dann verpuffen und versickern die Effekte, weil es für den Göttervater ans Eingemachte geht, weniger fürs Publikum, so ist das jedenfalls in vielen Fällen. «Als junger Liebe Lust mir verblich ...
» Ein weit ausgreifender Monolog, ein ausgedehntes «Was bisher geschah», ein Rückblick, von dem doch jede Kleinigkeit dem erfahrenen «Ring»-Besucher bekannt sein dürfte. Es ist für viele im Publikum der Moment des innerlichen Ausstiegs: Ist die Häppchen-Bestellung für die zweite Pause vollständig? Und ob der Herd daheim wirklich ausgeschaltet wurde?
In der Berliner Staatsoper, im Herbst 2022, ist das anders. Dort steht Michael Volle – und vor ihm am Pult Christian Thielemann, der die Staatskapelle in diesem Augenblick bis zur Unhörbarkeit dimmt. Als die ersten Worte des Monologs geformt werden, da stellen 1200 Menschen im Parkett und auf den Rängen das Atmen ein. Was jetzt kommt, ist ein Fall für die Annalen. Man verfolgt einen Bariton beim singenden Denken. Und erlebt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 18
von Markus Thiel
John Allison
London
Opera
1. Yonatan Cnaan: «Theodor» (Pfeffer/Ricklin), Israeli Opera Tel Aviv
2. Francesco Corselli: «Achille in Sciro» (Bolton/Clément), Teatro Real Madrid
3. Sergej Prokofjew: «Krieg und Frieden» (Jurowski/ Tcherniakov), Bayerische Staatsoper München
4. Dmitri Tcherniakov
5. Boris Kudlička
6. Jorge Jara
7. Lidiya Yankovskaya
8. Piotr...
Auf die Frage nach dem größten und bedeutendsten Tenor lautet die Antwort auch heute noch fast einhellig: Enrico Caruso. Tenöre der jüngeren Vergangenheit, denen dieser Ehrentitel angetragen wurde, verweisen, wie Luciano Pavarotti, auf Caruso als ihren Urahn: «Ganz gleich, welches Jahr man gerade schreibt», urteilte Pavarotti, «Caruso wird immer ein ‹moderner›...
Erinnern wir uns: Es ist kurz nach zehn am Abend, und noch einmal tönt da an diesem trüben Februartag 2018 des Hirten todestraurig klagende Weise, da raunt der getreue Kurwenal seinem der Welt eigentlich schon längst abhanden gekommenen Tristan zu: «Noch ist kein Schiff zu seh’n!» Wird die ihren Geliebten erlösende Isolde je zurückkehren? Wenn ja, dann sicherlich...
