Wichtige Aufführungen der Saison 2022/23
Wer Peter Konwitschnys Lesart von Wagners «Walküre» an der Oper Dortmund in der letzten Saison gesehen hatte, musste sich nun, bei der Fortsetzung des «Ring»-Zyklus mit «Siegfried», nicht mehr wundern. Die Welt ist aus den Fugen, das prekäre Verhältnis des Menschen zur Natur allzu offensichtlich in der letzten umfassenden Geschichte vom Abendland. Konwitschny nutzte diese Erkenntnis für ein pralles Bildertheater: «Das ist ein Erzählen, das sich nicht nur aus dem Wort und dem Klang, sondern auch aus den Charakteren ereignet. Keine Aktion, keine Geste wirkte hier beliebig [...
]» (OW 07/2023)
Für sein spätes Debüt als Opernregisseur hatte sich Christoph Rüping nicht eben ein leichtes Werk vorgenommen: «Il ritorno d’Ulisse in patria» von Claudio Monteverdi fordert ein enormes Gespür für die wechselhaften Beziehungen. Um den Transfer in die Moderne zu ermöglichen, nahm Rüping die Textsammlung «Das Jahr des magischen Denkens» der US-amerikanischen Schrifstellerin Joan Didion hinzu und überantwortete sie drei Schauspielern. Der Mix gelang, die Ästhetik motivierte zugleich den Inhalt: «Er liegt in der Begegnung zwischen Schauspiel und Oper, zwischen dem nackten Bühnenraum [...] und dem ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 82
von
«Stephans ernste Begabung steht außer Frage.» Das schrieb der noch keine 21 Jahre alte Theodor Wiesengrund-Adorno (der sich erst im amerikanischen Exil als Theodor W. Adorno bezeichnete) im Mai 1924 über eine Aufführung von Rudi Stephans 1913 entstandener «Musik für Geige und Orchester». Doch empfand er den im Weltkrieg Gefallenen bereits als Zeuge einer...
Herr Freyer, Sie arbeiten auch im Alter unverändert viel und konzentriert. Wie war Ihr Tag heute?
Er war schöpferisch, aber nur für den Körper und fürs Gemüt. Meine Frau und ich haben einen frühen Spaziergang gemacht, aber da fing es wieder an zu regnen. Man arbeitet ja trotzdem, man kann es gar nicht lassen. Es macht so viel Spaß.
Ist Italien auch für Sie die...
Herbst 2022: Beim Festival Bayreuth Baroque inszeniert Countertenor und Festivalleiter Max Emanuel Cenčić die Oper «Alessandro nell’ Indie» von Leonardo Vinci, uraufgeführt 1730 in Rom, wo Frauen seinerzeit auf Bühnen unerwünscht waren. Der Schauplatz? Indien. Der Anlass? Der Krieg des Makedonenkönigs Alexander der Große gegen den indischen König Poros. Die Akteure...
