Bars, Bordelle, Boxkampfhallen
Es gibt am Premierenabend keinen Aufstand im Royal Opera House. Selbst als während der vorletzten Vorstellung der «Mahagonny»-Inszenierung von John Fulljames ein Kabelbrand an Covent Garden die Lichter löscht und im Opernhaus das Catering lahmlegt, beschwert sich niemand: Die schöne Ironie, die darin liegt, dass es zu einer Show über Whiskey bloß Leitungswasser gibt, wissen Kenner durchaus zu würdigen. Um London nachhaltig zu schockieren, braucht es ohnehin mehr als deftige Schimpfwörter, wie sie in Jeremy Sams kluger (auch komischer, und trauriger) Übersetzung auftauchen.
Auch dass Anne Sofie von Otter – eine Flasche Schnaps zwischen den Beinen – so tut, als pinkele sie auf Kurt Streit herab, kräuselt kaum eine Stirn: Der despektierliche Umgang mit Jimmys Leiche passt schließlich zu Leokadja Begbick.
Bühnenbildner Es Devlin lässt Brechts und Weills monströses Mahagonny aus einem liegengebliebenen Schwertransporter entstehen. Als die Sex- und Lohnarbeiter eintreffen, stapeln sich die Frachtcontainer schon zwölf Stockwerke hoch, die Seitenwände abgeschält. Ein wahrer Kaninchenbau aus Bars, Bordellen, Boxkampfhallen. Mahagonnys Gesetze sind Ungesetze, wie jeder weiß, die Regeln nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Anna Picard
Eine «Schwalbe» ist in der Fußballwelt die Vortäuschung einer vom Gegner verursachten Körperverletzung – vom Schiedsrichter zu bestrafen. Die kleine Tragikomödie auf dem Rasen. In der Welt der Opernbretter lässt «Die Schwalbe» mehr an eine Halluzination als an Täuschung denken, an ein Trugbild. Denn auf deutschen Bühnen wird «La Rondine» nur selten gespielt, anders...
Spionage, Eifersucht, Rache – keine andere Oper kommt einem Thriller so nahe wie Umberto Giordanos «Fedora». Der erste Akt zeigt uns Fedora Romazov in Sankt Petersburg, während ihre große Liebe stirbt. Im zweiten Akt hat sie als Frau, die aus der Kälte kam, in Paris den Mörder ihres Verlobten aufgespürt. Aber wider Willen verliebt sie sich in diesen Loris, in...
Er habe «immer ein gewisses Vertrauen zur Oper» gehabt, bekannte Friedrich Schiller einmal gegenüber Goethe. Die kleine Lesegruppe im Café des Theaters Magdeburg teilt seine Ansicht. Tapfer hatte man sich zur Vorbereitung auf den Opernbesuch durch Schillers «Braut von Messina» gekämpft – und das Stück, in dem der Dichter den antiken Chor wiederzubeleben suchte,...
