Freiburg: Memento Mori

Verdi: Die sizilianische Vesper (Freiburg / Theater)

Opernwelt - Logo

Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, ­beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick. Seiner eingedenk, sinnt sie unablässig auf sizilianische Rache an den französischen Besatzern und bekommt ihren Kopf nicht frei für die Liebe zum Widerständler Arrigo.

Der stumme Geist ist sichtbares Zeichen für die dramaturgisch unselige Verquickung privater und vaterländisch-politischer Motive in «Die sizilianische Vesper»: optisches Leitmotiv wie die einmal auch zum Leben erweckte Statue der palermitanischen Schutzheiligen Rosalia. Sie hält als Memento mori einen Totenschädel in der Hand.

Überdeutlichkeit? Holzhammer? Hilfsmittel eher einer Inszenierung, die keine couleur locale anstrebt und für den Prunk im Palast des Gouverneurs mit einem Ballsaal-Lüster oder einem Esstisch mit Rotwein-Karaffe auskommt. Dieser Monforte ist auch ein Zeuge der offensichtlichen Regie-Absicht, alle Konflikte aus der Bewegung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Leichte Muse versus Spektakeloper

Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch...

Liebesfreuden

Nicht nur durch ihre Liebeskünste wusste Madame Pompadour Louis XV. zu fesseln, sie sorgte sich auch um seine geistige Erbauung. Deshalb gab sie bei Jean-Philippe Rameau eine Opéra-ballet in Auftrag, die 1748 in ihrem Privattheaterchen zur Aufführung gelangte, mit ihr selbst in der Rolle der Venus. Neun Jahre später arbeitete Rameau, mittlerweile ein alter Mann,...

Frankfurt: Böse Soap

Das Bild vom Kreator der «Reformoper» war lange musikgeschichtlich so verfestigt, dass der «andere» Gluck ganz in Vergessenheit geriet. Dass mit dem (1750 in Prag uraufgeführten) «Ezio» nun ein früheres Gluck-Stück wiederentdeckt wurde, liegt wohl ebenso an der gewachsenen Geltung der Barockoper wie an der postmodern erweiterten Bewertung des Komponisten. Und die...