Freiburg: Memento Mori
Schon wenn wir das Freiburger Theater betreten, sitzt er vorm Vorhang. Später streift er wie ein Geist, wie ein lebender Fingerzeig umher, und wenn nicht, lehnt er hinten an Stefan Rieckhoffs Rundhorizont. Herzog Friedrich von Österreich ist immer dabei. Von den Franzosen ermordet, beherrscht er das Fühlen und Trachten seiner Schwester Elena in jedem Augenblick. Seiner eingedenk, sinnt sie unablässig auf sizilianische Rache an den französischen Besatzern und bekommt ihren Kopf nicht frei für die Liebe zum Widerständler Arrigo.
Der stumme Geist ist sichtbares Zeichen für die dramaturgisch unselige Verquickung privater und vaterländisch-politischer Motive in «Die sizilianische Vesper»: optisches Leitmotiv wie die einmal auch zum Leben erweckte Statue der palermitanischen Schutzheiligen Rosalia. Sie hält als Memento mori einen Totenschädel in der Hand.
Überdeutlichkeit? Holzhammer? Hilfsmittel eher einer Inszenierung, die keine couleur locale anstrebt und für den Prunk im Palast des Gouverneurs mit einem Ballsaal-Lüster oder einem Esstisch mit Rotwein-Karaffe auskommt. Dieser Monforte ist auch ein Zeuge der offensichtlichen Regie-Absicht, alle Konflikte aus der Bewegung der ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Heinz W. Koch
Oedipe
Am Mythos von Ödipus arbeitete sich George Enescu sein halbes Komponistenleben ab. Zwischen der ersten Berührung mit dem Stoff und der Pariser Uraufführung des vieraktigen «Oedipe» vergingen 22 Jahre. Hans Neuenfels hat das Stück an der Oper Frankfurt neu inszeniert – mit Simon Neal in der Titelpartie und Tanja Ariane Baumgartner als Jokaste.
Renata Scotto
K...
Man wollte es nach der Wende sogar abreißen. Seit 2007 war es geschlossen, nun wurde das Erkel Theater als zweites Haus der Ungarischen Staatsoper wiedereröffnet. In neuem Glanz, könnte man sagen, wenn das «Lifting» des in seiner 100-jährigen Geschichte mehrfach umgebauten Hauses nicht auch diesmal karg ausgefallen wäre. Als Ausweichquartier für die Staatsoper,...
Seit der Uraufführung in Bremen 1999 ist Detlev Glanerts Kammeroper über den Justizmord an Joseph Süß Oppenheimer, dem Financier des württembergischen Dandy-Herzogs Karl Alexander, mehrfach nachgespielt worden. Zuletzt war das im frühen 18. Jahrhundert angesiedelte, virtuos mit Mustern und Formen der Barockmusik jonglierende Stück in Trier (siehe OW 7/2010) sowie...
