Banalität des Bösen

Andrea Breth lässt in Amsterdam Verdis «Macbeth» lahmen, Marc Albrecht steuert mit dem Nederlands Philharmonisch Orkest gegen

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Auf der Webseite der Amsterdamer Oper verspricht der PR-Trailer für «Macbeth» ein grausames, blutiges Spektakel. Tatsächlich aber fließt auf der großen Bühne am Waterlooplein in Andrea Breths Deutung von Verdis furioser Shakespeare-Adaption nicht ein einziger Tropfen Theaterblut – das Bestialische des Mordreigens wird in Amsterdam systematisch ausgeblendet. Lediglich in der Bankettszene türmen sich statt edler Spezereien rohe Fleischberge aus dem Schlachthaus auf dem Tisch. Womöglich soll dies ein – wenig subtiles – Bild sein für eine Mahnung aus dem Unbewussten.

Oder die verdrängte Realität verdeckter Gewalt? Doch das Fleisch bleibt unberührt, die Messer bleiben blank. Und wenn Banco um die Ecke gebracht wird, geschieht das nach der Art osteuropäischer Auftragskiller: schnell, sauber und mit schallgedämpfter Magnum, nahezu lautlos bis auf ein zartes «kffffh». So geht das heute in den Zentren der Machtkämpfe, will uns die Regisseurin wohl sagen.

Andrea Breth, die Hohepriesterin der Werktreue, hat sich von ihrem Bühnenbildner Martin Zehetgruber auch die schwarzen Wände der Privatgemächer des mörderischen Ehepaares mit wattiertem Stoff auspolstern lassen, damit kein Laut heraus- und ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Regine Müller

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