Bärendienst
In letzter Zeit findet Händels 1713 uraufgeführter «Teseo» verstärkt Interesse an deutschen Bühnen: Nachdem eine (auf DVD erhältliche) Tourneeproduktion in der Regie von Axel Köhler und vor allem die Aufführung an der Komischen Oper Berlin (2008) das dramatische Potenzial von Händels Version des Medea-Stoffes ausgelotet hatten, wagte sich im Mai dieses Jahres die Stuttgarter Oper an das Stück. Den Kritiken nach mit achtbarem Erfolg. Dass dieser vom SWR aufgenommene «Teseo» nun auf CD erscheint, erscheint allerdings etwas übertrieben.
Den Beteiligten wird durch die Aufnahme – wie oft in solchen Fällen – ein Bärendienst erwiesen: Ihre im Zusammenhang mit einer szenischen Darstellung sicherlich überzeugenden Leistungen sind als reines Hörprodukt schlichtweg nicht konkurrenzfähig. Das gilt selbst für die bei der Premiere enthusiastisch gefeierte Medea von Helene Schneiderman. Ihr «Morirò» im fünften Akt hat zwar die nötige dramatische Wucht, klingt aber eher wie der gestalterische Rohentwurf einer in Ehren gealterten Mezzosopranistin. Maßstäbe hat hier zuletzt Joyce DiDonato gesetzt: mit einem Medea-Rollenquerschnitt auf ihrem «Furore»-Album (Virgin).
Wie viel zarte Gefühle und tiefe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei...
Bis heute ist Verdis «Simon Boccanegra» ein Stück für Kenner geblieben. Wunschkonzertmelodien wird man hier vergeblich suchen, dafür aber mit einer im Werk des Komponisten beispiellosen Kompromisslosigkeit konfrontiert. Erreicht hat Verdi sein Ziel erst im zweiten Anlauf, als er die erfolglose Oper 1881, 24 Jahre nach ihrer Uraufführung, mit der dramaturgischen...
Selbst angesichts der Akkordbedingungen, unter denen Italiens Opernkomponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts produzieren mussten, hatte Donizetti für seine «Parisina» geradezu abenteuerlich wenig Zeit zur Verfügung. Weil Felice Romani, der gefragteste Librettist der Epoche, schon mit anderen Aufträgen (unter anderem «Beatrice di Tenda» für Bellini)...
