Arg lückenhaft

Ulrich Drüner setzt sich mit seiner Beethoven-Biografie zwischen alle Stühle

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Beethoven und kein Ende im Jubiläumsjahr, das musikalisch haupt­sächlich virtuell stattfand. Umso heftiger schlug die Buchbranche zu. Besonderes Interesse weckte die Biografie des Stuttgarter Bratschisten und Musikantiquars Ulrich Drüner, der 2016 mit einem denkmalstürzenden Wagner-Buch Aufsehen erregt hatte.

Jetzt versucht er Beethovens «komplexe Persönlichkeit» zu enträtseln, dabei «der Physis den Vorrang gegenüber allem Ideologischen einzuräumen» und verspricht recht vollmundig, als Erster «Beethovens Kreativität, bisher weitgehend ein Buch mit sieben Siegeln, mit der größtmöglichen Intensität» zu erforschen. Herausgekommen ist bei Letzterem ein eher mageres, spekulativ zusammengebackenes Kapitel über Beethovens Schaffenspsychologie. Vom unablässigen, in den zahllosen Skizzenbüchern dokumentierten Ringen um das Werk – Kunst ist Arbeit! – liest man dagegen wenig.

«Die Kunst fängt genau da an, wo das Leben aufhört.» Drüner zitiert Wagners ernüchternde Feststellung, hält sich aber nicht an die Erkenntnis, dass das Leben eines Künstlers sein Werk ist, sondern neigt bei dessen Entstehen und Verständnis zu vulgärbiografischer Kausalität. Originell ist allerdings der Weg, den er ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert

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