Arg lückenhaft
Beethoven und kein Ende im Jubiläumsjahr, das musikalisch hauptsächlich virtuell stattfand. Umso heftiger schlug die Buchbranche zu. Besonderes Interesse weckte die Biografie des Stuttgarter Bratschisten und Musikantiquars Ulrich Drüner, der 2016 mit einem denkmalstürzenden Wagner-Buch Aufsehen erregt hatte.
Jetzt versucht er Beethovens «komplexe Persönlichkeit» zu enträtseln, dabei «der Physis den Vorrang gegenüber allem Ideologischen einzuräumen» und verspricht recht vollmundig, als Erster «Beethovens Kreativität, bisher weitgehend ein Buch mit sieben Siegeln, mit der größtmöglichen Intensität» zu erforschen. Herausgekommen ist bei Letzterem ein eher mageres, spekulativ zusammengebackenes Kapitel über Beethovens Schaffenspsychologie. Vom unablässigen, in den zahllosen Skizzenbüchern dokumentierten Ringen um das Werk – Kunst ist Arbeit! – liest man dagegen wenig.
«Die Kunst fängt genau da an, wo das Leben aufhört.» Drüner zitiert Wagners ernüchternde Feststellung, hält sich aber nicht an die Erkenntnis, dass das Leben eines Künstlers sein Werk ist, sondern neigt bei dessen Entstehen und Verständnis zu vulgärbiografischer Kausalität. Originell ist allerdings der Weg, den er ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Eine einzige Arie hat der Fürst Gremin in «Eugen Onegin» zu singen – Sava Vemić beschert sie am Gärtnerplatztheater dennoch den größten Szenenapplaus des Premierenabends. Und zu Recht. Einen Bass von solch authentischer Schwärze und derart wohlgerundeter Klangfülle hat in einer an tiefen Stimmen armen Zeit nicht jedes Haus in seinem Ensemble. Wie man hier...
In anderen Zeiten würde man vermutlich die «Meistersinger» spielen: als kraftvolle Eigenbespiegelung, als selbstbewussten bis selbstgewissen Diskurs über eine prinzipiell ungefährdete Kunst – obgleich, gottlob, die (Regie-)Zeiten vorbei sind, als man der Deutschen Festoper von der finalen halben Stunde her gedachte. Doch die Verhältnisse sind so: Dass sich Berlin,...
Kurz war er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber schön. Intensiv, gedankenreich, lustvoll. Zugleich ähnelte er ein wenig jener blassblauen Frauenhandschrift, die weiland den Werfel’schen Sektionschef Leonidas so tief bewegte: Als der Brief Vera Wormsers eintrifft, ist ihre Handschrift kaum mehr zu entziffern – und doch so präsent wie eine wehmütige Erinnerung....
