Fröhlich-anarchistisch
Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet! Wo einst Türme stolz aufragten, ruht nun begütigend der See Semjonow.
Der ideale Stoff für ein musikalisches Schlachtengemälde, dachte sich Nikolai Rimsky-Korsakow, der für seine vorletzte Oper jene Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesh mit der Figur der heidnischen Jungfrau Fewronia verquickte und Naturmystik auf christliches Heilsversprechen prallen ließ, weswegen das Werk von manchen Beobachtern auch als «russischer Parsifal» etikettiert wurde. Kitesh erscheint da zum Sehnsuchts- , ja gewissermaßen Erfüllungsort gesellschaftlicher Utopien verklärt.
Was Rimsky-Korsakows klangsatte, in folkoristischer Melodienseligkeit schwelgende Oper von 1907 mit der Hallenser Adaption zu tun hat? Wer sich Musik aus dem Original erwartet, in romantischer Prachtfülle dargeboten, wird gewiss enttäuscht sein. Dem Berliner ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Werner Kopfmüller
Die Lizenz zum Texttöten erstreckt sich längst auf das gesamte Repertoire, aber der «Fidelio» genießt bei Regie-Tyrannen immer noch einen hohen Rang, wenn es darum geht, einem Libretto den Garaus zu machen. Mit Beethovens epochaler Rettungs- und Befreiungsoper konnten sie alle etwas anfangen, Monarchisten anno 1814 und Demokraten anno 1848, Faschisten wie...
Bevor für mindestens einen Monat alle Türen schlossen und sich kein einziger Vorhang mehr öffnete, mussten wir sehr schnell noch einmal in die Oper, und, der Zufall wollte es so, aus einem schönen Anlass. In Düsseldorf gibt es ein Werk, das kein Mensch kennt, das grandios schöne Momente hat und das von einem Komponisten stammt, der mit einem anderen Stück berühmt...
Um Faust zur Unterschrift unter den höllischen Pakt zu bewegen, eröffnet Méphistophélès seinem Opfer einen magischen Durchblick: Marguerite erscheint als Zauberbild. Hornrufe und Harfenarpeggi signalisieren ein Reich des Wunderbaren. Auf diese kurze Szene in Gounods «Faust» von 1859 antwortet Camille Saint-Saëns fünf Jahre später in seiner Opéra fantastique «Le...
