Ausgedünnt

Wagner: Tristan und Isolde
DÜSSELDORF| DEUTSCHE OPER AM RHEIN

Opernwelt - Logo

Die Pandemie hat dem Musiktheater auch einige positive Überraschungen beschert: Die Bayerische Staatsoper beispielsweise präsentierte einen instrumental von Eberhard Kloke stark abgerüsteten, delikat durchhörbaren «Rosenkavalier», an der Kammeroper Wien kam ein instrumental wie vokal verschlankter «Tristan» heraus, und auch die Deutsche Oper am Rhein servierte an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine von Kloke kammermusikalisch ausgedünnte Version von Wagners Musikdrama. Regie führte Dorian Dreher.

Das Ergebnis ist befremdlich: Zu Beginn stapft Tristan einsam auf die Bühne und nimmt auf einem Baumstamm Platz, während hinter ihm in Riesenlettern das Wort «Mythos» aufscheint und eine Stimme aus dem Off Düsteres aus Aischylos’ «Orestie» raunt. Dann fährt ein Kammerensemble hoch und stimmt das nachtschwarze Vorspiel zum dritten Akt an (Nanu? Alles schon vorbei?). Dazu gesellt sich der Englischhornist Andreas Boege, der die berühmte «alte Weise» noch mehrfach anstimmen und in jedem Teil auch darstellerisch eine Art Schlüsselfunktion als Todesbote (?) einnehmen wird.

Danach geht es erst einmal weiter wie in Wagners Partitur vorgesehen. Heike Scheeles Bühnenbild zeigt eine Schiffskabine, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Wa(h)re Liebe

Die Götter tragen Weiß. Blütenreines, blitzsauberes Weiß. Sieht wirklich gut aus: schick, elegant, lässig. Vielleicht ein bisschen überkandidelt. Aber Götter dürfen dergleichen. Gilt doch für sie, mehr noch als für uns Irdische und ihrem Selbstverständnis nach die von Immanuel Kant in seiner «Kritik der reinen Vernunft» entwickelte Idee, derzufolge Raum und Zeit...

Simulierte Soap

Natürlich ist das Ganze grandioser Kitsch. An der Elle dramaturgischer Logik oder psychologischer Plausibilität sollte man die Story der keuschen Maid nicht messen, die im Goldrausch-Westen Amerikas unter lauter zwielichtigen Kerlen tapfer ihre Frau steht, um am Ende einen zugelaufenen Desperado direkt vom Galgen ins Eheglück zu führen. Schon das um die vorletzte...

Bemerkenswert

Im großen Repertoire blieb «Notre Dame» stets eine Randerscheinung. Umso verdienstvoller, dass die vom Theater St. Gallen traditionell zum Spielzeitende durchgeführten Festspiele die 1903 abgeschlossene Oper von Franz Schmidt nach dem Roman von Victor Hugo ans Licht zogen. Tatsächlich konnte das Festival, dessen Herzstück eine auf dem Platz vor der St. Galler...