Aus dem Geist der Sinfonie
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben nimmt Regisseur Ludger Engels durchaus wörtlich. Im Prolog präsentieren er und sein Ausstatter Ric Schachtebeck eine Art schwebende Glasvitrine, in die fortwährend Bühnennebel gepumpt wird.
Der Geist ist domestiziert und gefangen. Oder alles nur Trugbild? Engels’ Theater zeigt sich skeptisch gegenüber der Illusion, romantisches Instrumentarium wie Harfe und Donnerblech werden von der Bühne aus bespielt – WYSIWYG («What you see is what you get») sagt man im digitalen Zeitalter wohl dazu. Und man bekommt einiges zu sehen – eine Vertikalseilartistin etwa, die zum Chor der Büßerinnen im Prolog vergeblich versucht, den Höhen entgegenzuschweben.
Obsiegt also das Böse, triumphiert Mephisto? Engels hat richtig erkannt, dass der verneinende Geist keinen wirklichen Gegenspieler hat in dieser Oper. Einfache Antworten gibt es nicht: Ist ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick
Die erste Tosca der New York City Opera war ein echter Star: Als die Company 1944 mit Puccinis vor 116 Jahren in Rom uraufgeführtem Bestseller ihre erste Produktion zeigte, sang Dusolina Giannini die Titelpartie. Als people’s opera konzipiert, pflegte man in den folgenden Jahrzehnten freilich vor allem ein Repertoire, das die Metropolitan Opera nicht auf dem Schirm...
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer...
Es war ein Risiko, als August Everding den «Lear» des jungen Aribert Reimann an der Bayerischen Staatsoper ansetzte. Hatten nicht Berlioz, Verdi und viele andere Komponisten trotz jahrelangen Ringens ihre «Lear»-Pläne aufgeben? Ausgerechnet dieser Shakespeare als Oper? Trotz der prominenten Besetzung um Dietrich Fischer-Dieskau hätte es ein Flop werden können....
