Aus dem Geist der Sinfonie
Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben nimmt Regisseur Ludger Engels durchaus wörtlich. Im Prolog präsentieren er und sein Ausstatter Ric Schachtebeck eine Art schwebende Glasvitrine, in die fortwährend Bühnennebel gepumpt wird.
Der Geist ist domestiziert und gefangen. Oder alles nur Trugbild? Engels’ Theater zeigt sich skeptisch gegenüber der Illusion, romantisches Instrumentarium wie Harfe und Donnerblech werden von der Bühne aus bespielt – WYSIWYG («What you see is what you get») sagt man im digitalen Zeitalter wohl dazu. Und man bekommt einiges zu sehen – eine Vertikalseilartistin etwa, die zum Chor der Büßerinnen im Prolog vergeblich versucht, den Höhen entgegenzuschweben.
Obsiegt also das Böse, triumphiert Mephisto? Engels hat richtig erkannt, dass der verneinende Geist keinen wirklichen Gegenspieler hat in dieser Oper. Einfache Antworten gibt es nicht: Ist ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Alexander Dick
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
Einer, der aussehe wie Erich Wolfgang Korngold, könne nicht genial sein, soll Karl Kraus geätzt haben. Natürlich nicht in der «Fackel», sondern im Freundeskreis. Und deutlich unter seinem Niveau. Viel Gift spritzte damals über die Marmortische der Wiener Kaffeehäuser in der Auseinandersetzung um diesen Komponisten, der heftig umschwärmt, aber auch verachtet wurde,...
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer...
