Zukunft gestalten
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den Einzelhandel, die Kirchen und um die Folgen für Industrie und Wirtschaft zu entschärfen. Die Kultur wurde in einschlägigen Pressekonferenzen über Wochen nicht einmal erwähnt.
Vor diesem Hintergrund forderten überregionale Feuilleton-Journalisten – für mich überraschend – mehr Beachtung für die Künste, selbst den festen Theatern billigten sie hohe gesellschaftliche Relevanz zu. Das hatte vorher noch ganz anders geklungen: Da waren wir eher Dinosaurier, ästhetisch stehengeblieben, strukturell verkrustet. Egal. Offensichtlich fehlten nun selbst denjenigen Theatererlebnisse, die sich zuvor als Totengräber profiliert hatten. Das macht fröhlich. Im Shutdown wurde das Theater wieder als Teil des gesellschaftlichen Dialogs vermisst. Gerade in einer so außergewöhnlichen, beängstigenden Situation fehlte es, als Ort der lebendigen ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 43
von Cathérine Miville
Vor einem Jahr war es so weit: Im Osten Georgiens präsentierte sich ein neues Musikfestival, das Tsinandali Festival. Benannt ist es nach dem Schauplatz, einem historischen Anwesen, das im frühen 19. Jahrhundert dem georgischen Dichterfürsten (und General der russischen Armee) Alexander Tschawtschawadse als Wohnsitz diente und bis heute ein renommiertes Weingut...
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen. Man weiß wohl, dass er...
Es glich dem «Lied überm Staub danach», rief Ingeborg Bachmann, Österreichs Zauberin des lyrischen Wortes, einer zerbrochenen Liebe nach. Gemeint war das Schauspiel «Jedermann» ihres Landsmanns Hugo von Hofmannsthal, das, zuvor in Berlin von der Kritik verrissenen, am 22. August 1920 über den Salzburger Domplatz schallte. Ein schlichtes Gastspiel aus der Hauptstadt...
