Zukunft gestalten
Gänzlich unvorbereitet traf uns Corona, und Einschränkungen von zuvor nicht vorstellbarem Ausmaß prägten den weiteren Verlauf der Spielzeit. Krisen dieser Art kannten wir natürlich – aus Fernsehberichten, denn Pandemien treffen ja grundsätzlich andere Regionen. Politik und Wissenschaft entwickelten Szenarien für das Gesundheitswesen, für Schulen und Kitas, den Einzelhandel, die Kirchen und um die Folgen für Industrie und Wirtschaft zu entschärfen. Die Kultur wurde in einschlägigen Pressekonferenzen über Wochen nicht einmal erwähnt.
Vor diesem Hintergrund forderten überregionale Feuilleton-Journalisten – für mich überraschend – mehr Beachtung für die Künste, selbst den festen Theatern billigten sie hohe gesellschaftliche Relevanz zu. Das hatte vorher noch ganz anders geklungen: Da waren wir eher Dinosaurier, ästhetisch stehengeblieben, strukturell verkrustet. Egal. Offensichtlich fehlten nun selbst denjenigen Theatererlebnisse, die sich zuvor als Totengräber profiliert hatten. Das macht fröhlich. Im Shutdown wurde das Theater wieder als Teil des gesellschaftlichen Dialogs vermisst. Gerade in einer so außergewöhnlichen, beängstigenden Situation fehlte es, als Ort der lebendigen ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Thema, Seite 43
von Cathérine Miville
Nachdem der fragwürdige Staatsrechtler Carl Schmitt im Alter seiner Paranoia verfallen war, äußerte er zu einem Bekannten, er müsse seinen berühmten Satz «Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet», den er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben habe, korrigieren. Nun sage er stattdessen: «Souverän ist, wer über die Wellen des Raumes verfügt.»
Das klingt...
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen. Man weiß wohl, dass er...
Michail Glinka war also Antisemit. Und deshalb darf die Berliner U-Bahn-Station «Mohrenstraße» nicht nach der Straße umbenannt werden, in der das Haus liegt, in dem der russische Komponist 1857 starb.
Mit Antisemitismus, Rassismus, Kolonialismus in der Operngeschichte ist es freilich eine vertrackte Sache. In Berlin hält die U-Bahn auch am «Richard-Wagner-Platz»....
